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25-Tag, 10.Mai 2023

  • Autorenbild: Philippe Selot
    Philippe Selot
  • 11. Mai 2023
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 17. Aug. 2025

Gorges du Ziz - Midelt Spital

 

Beim Frühstück im Camping Jurassique habe ich zwei Gruppen von Geologen bemerkt, die ebenfalls hier übernachtet haben. Wie der Name des Campingplatzes schon sagt, ist diese Region reich an Fossilien und Kristallen, was Wissenschaftler aus aller Welt anzieht. Die spanische Gruppe wirkte sehr entspannt und diskutierte begeistert ihre Funde, während die italienische Gruppe eher wie ein Casting für einen Abenteuerfilm aussah: die Männer waren makellos gekleidet im Indiana-Jones-Stil, die Frauen trugen weite Kleider und grosse Hüte à la Mia Farrow in Tod auf dem Nil. Das Erscheinungsbild ist eben auch wichtig!

 

Ich verlasse das Ziz-Tal auf der RN13 und erreiche wieder die weiten Ebenen nördlich des Atlas. Ich mache einen kleinen Umweg, steige auf einen Kieshügel und fotografiere die schneebedeckten Gipfel im starken Kontrast zur kargen Ebene, faszinierend.

 

Beim Abstieg jedoch rutsche ich aus. Ein stechender Schmerz durchfährt meinen linken Fuss, gefolgt von einem seltsamen Gefühl: Mein Fuss ist verdreht, etwa dreissig Grad abgeknickt. Ich steige wieder aufs Motorrad und denke, ich könnte weiterfahren, aber in Zaida kann ich den Fuss nicht mehr auf den Boden stellen: Der Schmerz ist zu gross.

 

Ein Hotelangestellter schickt mich zu einem lokalen Gesundheitszentrum. Dort bestätigt man mir, dass sie für solche Verletzungen nicht ausgerüstet sind, und raten mir, ins 30 Kilometer entfernte Midelt zu fahren. Trotz Schmerzen wage ich die Fahrt.

 

In Midelt wartet das Spital schon auf mich (https://g.co/kgs/1UuEgd8). Kaum angekommen, stürzt sich ein Team auf mich, versetzten mich vom Motorrad in einen Rollstuhl und brachten mich in die Notaufnahme. Ein Arzt zieht meinen Stiefel aus, die Schmerzen sind unerträglich. Die Diagnose: Luxation am Fuss.

 

Man teilt mir mit, dass ich als Ausländer die Behandlung selbst bezahlen muss. Die Kosten sind moderat: 112,50 Dirham (ca. 10,25 CHF) und decken alles ab: Behandlung, Röntgen, Operation, nur die Medikamente muss ich selbst kaufen.

 

Ein orthopädischer Chirurg versucht zunächst, den Knöchel manuell zu richten. Die Schmerzen sind gross, doch der Versuch schlägt fehl. Es geht ab in den Operationssaal.

 

Der Saal ist einfach eingerichtet. Während der Vorbereitung erkundet ein kleiner roter Kater die Räume. Die offene Tür lässt Neugierige und Besucher herein. Die Stimmung ist trotz allem fast familiär und herzlich.

 

Der Anästhesist entscheidet sich schliesslich, für eine Vollnarkose, aus Sorge wegen meiner vorgängige Rücken-Operation. Eine Stunde später wache ich auf. Die Operation war erfolgreich: Drei Drähte wurden eingesetzt, um meinen Fuss zu stabilisieren.

 

Zurück im Zimmer, dass ich mit einem weiteren Patienten teile, der eine Hüftoperation hatte. Er spricht nur Arabisch.

 

Gegen 20 Uhr meldet sich der Hunger. Das Spital stellt keine Mahlzeiten bereit, doch Ussama, ein junger Mitarbeiter, bietet an, mir etwas zu kaufen. Er kommt mit Wasser, Joghurt, Brot, Käse und Datteln zurück. Eine einfache, aber wertvolle Mahlzeit.

 

Ich habe meine Reiseversicherung kontaktiert, aber die Nummer funktioniert aus dem Ausland nicht. Der Online-Service schickte mir eine Standardnachricht mit dem Hinweis, ich solle zur Behandlung in die Schweiz zurückkehren, wenig hilfreich in der Situation.

 

Glücklicherweise war der Touring Club Schweiz schnell und effizient: Innerhalb von fünf Minuten riefen sie an, um meinen Rücktransport per Flugzeug zu organisieren sowie den Transport meines Motorrads per Lastwagen, während auf den Bericht des Chirurgen gewartet wird.

 

Nach einer Antibiotika Spritze und einer Infusion mit Paracetamol schlafe ich endlich ein, erschöpft von diesem emotionalen Tag.

 

Meine Reise endet hier. Zwar bin ich erleichtert, dass die Operation gut verlaufen ist, doch erfüllt mich grosse Traurigkeit, dieses Abenteuer aufgeben zu müssen.

 

Heute bin ich 197 km gefahren in 4 Stunden und 15 Minuten.




 
 
 

8 Kommentare


Rolf Wegner
Rolf Wegner
15. Mai 2023

Uiuiuiiii - na ja, wenigstens Glück im

Unglück. Gute Besserung!!!

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George Conrad
George Conrad
13. Mai 2023

Was für eine Geschichte zwei Tage nach der abenteuerlichsten Passage. Zu Fuss ist es gefährlich 😜. Gute Besserung und hoffentlich gute Weiterfahrt.

Goeg

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Philippe Selot
Philippe Selot
13. Mai 2023
Antwort an

Werde heute zurückgeflogen! Motorrad auch per LKW! 🤔😟

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frans.devries
12. Mai 2023

Gute Besserung Philippe.

Frans de Vries

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hniederhaeuser
11. Mai 2023

Gute Besserung Phil und dass du bald wieder fit bist für 🏍️…

LG Hans, Steffisburg

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Philippe Selot
Philippe Selot
11. Mai 2023
Antwort an

War nicht mal auf dem Töff! Wie peinlich

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Michèle Fahrni
Michèle Fahrni
11. Mai 2023

Oh je, gute Besserung!

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Philippe Selot
Philippe Selot
11. Mai 2023
Antwort an

Danke dir

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