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17. Juli 2026

  • Autorenbild: Philippe Selot
    Philippe Selot
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit

Am Mittwoch hatte ich einen Termin bei meinem Chirurgen. Bei der letzten Kontrolle hatte ich grosse Hoffnungen, dass mein Abenteuer mit dem «Robocop Schuh» bald zu Ende sein würde. Leider hatten sich diese Hoffnungen nicht erfüllt. Dieses Mal ging ich deshalb ohne besondere Erwartungen zum Termin. Schliesslich ist es besser, angenehm überrascht zu werden, als erneut enttäuscht zu sein.

 

Die Untersuchung begann mit den mittlerweile schon traditionellen Röntgenaufnahmen. Selbst die Fachperson, welche die Bilder macht, ist inzwischen zu einem vertrauten Gesicht geworden. Wenn das so weitergeht, kenne ich bald die ganze Abteilung.

 

Nach einigen Minuten Wartezeit kam Professor Krause, um mich abzuholen. Zu meiner Überraschung ging auch er an Krücken. «Willkommen im Club! Was ist Ihnen passiert?», fragte ich ihn. Er hatte sich vor Kurzem einer Hüftoperation unterzogen. Der Grund dafür war ein erblich bedingtes Problem, das in seiner Familie vorkommt. Allerdings erklärte er mir, dass er die Krücken nur während drei Tagen benötigen werde. Nur drei Tage … Ein sehr kurzer Aufenthalt in jenem Club, dessen unfreiwilliges und besonders treues Mitglied ich inzwischen geworden bin.

 

Nach den üblichen Fragen zu meinem Gesundheitszustand, der trotz einer seit mehreren Monaten anhaltenden Neuropathie insgesamt gut ist, drehte er seinen Computerbildschirm zu mir. Wie bei jeder Kontrolle zeigte er die Röntgenbilder von vor zwei Monaten direkt neben den Aufnahmen, die erst wenige Minuten zuvor gemacht worden waren.

 

Alles befindet sich genau dort, wo es sein sollte. Die Schrauben haben sich nicht verschoben und der Nagel, der durch mein Sprunggelenk bis in das Schienbein führt, sitzt weiterhin perfekt. Wenn ich bedenke, was mein Bein bereits alles durchgemacht hat, ist es schon eine ausgezeichnete Nachricht, dass jedes Teil brav an seinem Platz geblieben ist.

 

Wie bei der letzten Kontrolle konzentrierte sich der Chirurg besonders auf den Bruch des Schienbeins. Die Heilung schreitet gut voran. Der Schleier, der bei der vorherigen Untersuchung rund um die Bruchstelle noch sichtbar war, ist verschwunden. Nun ist deutlich zu erkennen, dass die beiden Knochenteile beginnen, zusammenzuwachsen.

 

Natürlich gab es trotzdem ein «Aber». Um kein Risiko einzugehen, muss ich den VACOped noch einen weiteren Monat tragen. Dafür darf ich endlich auf die Krücken und den Knieroller verzichten. Man könnte also von 50 Prozent guten Nachrichten sprechen oder, für die Pessimisten unter uns, von 50 Prozent schlechten. Ich persönlich konzentriere mich lieber auf die erste Hälfte.

 

Mich ohne Krücken bewegen zu können, ist ein bedeutender Fortschritt. Ich muss allerdings zugeben, dass ich mich noch nicht ganz sicher fühle. Nach den vielen Monaten der Ruhigstellung hat die Muskulatur meines Beins deutlich an Kraft verloren. Auch mein Gehirn scheint vergessen zu haben, dass man gehen kann, ohne sich an zwei Metallstangen festzuhalten. Nun muss ich Schritt für Schritt mein Vertrauen, mein Gleichgewicht und meine Muskelkraft wieder aufbauen.

 

Professor Krause stellte mir ausserdem eine Verordnung für einen orthopädischen Schuh aus. Dieser soll den Längenunterschied zwischen meinen beiden Beinen ausgleichen. Anschliessend ging ich zum Orthopädietechniker, der einen Unterschied von 2,5 Zentimetern feststellte. Diese Differenz ist zu gross, um sie ausschliesslich im Inneren eines Schuhs auszugleichen.

 

Deshalb wird für mich ein spezieller Schuh angefertigt. Der Ausgleich wird aufgeteilt: Die äussere Sohle wird um einen Zentimeter erhöht und im Inneren des Schuhs werden weitere 1,5 Zentimeter ausgeglichen. Diese Lösung hat einen erfreulichen Vorteil: Die Anpassung sollte von aussen relativ unauffällig bleiben.

 

Ab Mitte August kann ich mit dem Tragen des neuen Schuhs beginnen. Wenn sich die Lösung bewährt, werden wir prüfen, welche meiner bisherigen Schuhe entsprechend angepasst werden können. Die übrigen werden vermutlich den Weg ins Recycling antreten. Nach den Krücken und dem Knieroller muss nun offenbar auch meine Garderobe ihren Beitrag zu meiner Genesung leisten.

 

Zum ersten Mal seit langer Zeit empfinde ich echte Zufriedenheit. Es handelt sich nicht mehr nur um vorsichtige Hoffnung, sondern um einen konkreten und sichtbaren Fortschritt. Nach diesem langen Tunnel der Genesung wird das Licht endlich erkennbar. Es ist zwar noch etwas entfernt, doch es sieht nicht mehr wie eine Fata Morgana aus. Und wie immer bleibe ich optimistisch.

 

Am Samstagabend wartet zudem ein geselliger Anlass auf mich. Nicola, unser Nachbar im Schrebergarten, organisiert für die nächsten Gartennachbarn einen Grillabend unter dem Motto «interkultureller Abend». Dieses Thema passt besonders gut, denn die Pächterinnen und Pächter der verschiedenen Gärten stammen aus ganz unterschiedlichen Ländern und Kulturen.

 

Ich werde sehr gerne daran teilnehmen. Dieses Mal ohne Krücken und ohne Knieroller, aber weiterhin in Begleitung meines treuen Robocop Schuhs. Deniz arbeitet an diesem Wochenende. Er muss deshalb bis zur nächsten Gelegenheit warten, um an dieser kleinen kulinarischen Reise rund um die Welt teilzunehmen.

 


 
 
 

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