03. August 2026
- Philippe Selot

- vor 2 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Seit mehr als zwei Wochen kann ich mich nun ohne Krücken und ohne meinen treuen Kniescooter fortbewegen. Dieses Gefühl ist beinahe unbeschreiblich. Nach all den Jahren mit eingeschränkter Mobilität endlich wieder eine gewisse Bewegungsfreiheit zu geniessen, ist ein echtes Glück. Das Gehen wird nach und nach wieder zu etwas ganz Natürlichem, auch wenn ich meine Beine gelegentlich noch daran erinnern muss, dass sie nun wieder selbstständig arbeiten dürfen.
Vor Kurzem war ich bei OrthoTeam, dem Orthopädiegeschäft, das meine neuen Schuhe anpassen wird. Ich kenne das Team gut, denn dort wurden bereits nach meinen früheren Eingriffen meine orthopädischen Schuhe angefertigt. Auch die Orthese, die ich im vergangenen Jahr getragen habe, stammt von ihnen. Man kann also durchaus sagen, dass ich zu einem treuen Kunden geworden bin, auch wenn ich auf dieses Treueprogramm gerne verzichtet hätte!
Dieses Mal konnte ich einen Schuh auswählen, der wie ein ganz normales Modell aussieht. Es handelt sich um einen Sneaker, der speziell angepasst wird. Die äussere Erhöhung der Sohle um einen Zentimeter wird kaum auffallen. Die zusätzlich benötigten 1,5 Zentimeter werden durch eine Fersenerhöhung im Inneren des Schuhs ausgeglichen. Insgesamt soll diese Anpassung den Längenunterschied von 2,5 Zentimetern zwischen meinen Beinen korrigieren.
Die Arbeiten werden rechtzeitig abgeschlossen, sodass ich die Schuhe am 5. August abholen kann. Bei dieser Gelegenheit werde ich auch ein Paar Sandalen mitbringen, die ich bereits früher erhalten habe. Bei diesen muss die Fersenerhöhung ebenfalls angepasst werden. Damit werde ich ein Paar Schuhe für unterwegs und eines für zu Hause haben.
Nachdem ich die Schuhe eine gewisse Zeit getragen habe, muss sich zeigen, ob das Ergebnis zufriedenstellend ist. Entscheidend ist vor allem, ob die Korrektur die Hüftschmerzen und Rückenschmerzen verhindert, die durch den Längenunterschied zwischen meinen Beinen verursacht werden. Falls der Versuch erfolgreich ist, werde ich prüfen, welche weiteren Schuhe aus meinem Besitz ebenfalls angepasst werden könnten.
Die Finanzierung dieser Anpassungen ist relativ kompliziert. Die neuen Schuhe werden teilweise von der Invalidenversicherung übernommen. Der verbleibende Betrag könnte möglicherweise von meiner Krankenkasse gedeckt werden. Auch die Fersenerhöhung kann vergütet werden, sofern sie ärztlich verordnet wurde.
Allerdings übernehmen die Versicherungen nur die Anpassung eines einzigen Paars Schuhe pro Jahr. Für jede zusätzliche Anpassung muss ich mit Kosten zwischen 150 und 300 Franken rechnen, die ich für die Sohle und die Fersenerhöhung selbst bezahlen muss. Ein ausgeglichener Gang hat somit seinen Preis. Die Vermeidung von Rückenbeschwerden und Hüftschmerzen ist jedoch eine Investition, deren Nutzen kaum zu bestreiten ist.
Trotz der beinahe tropischen Temperaturen bin ich regelmässig in den Garten gegangen. Das Gemüse leidet nicht nur unter dem Wassermangel, sondern auch unter der intensiven Sonneneinstrahlung. Am vergangenen Wochenende hat Deniz bestimmt mehr als zehn Kilogramm Kartoffeln geerntet. Sie schmecken ausgezeichnet. Auch die weissen und roten Zwiebeln wurden geerntet.
Die Auberginen, Gurken, Blumenkohle und Randen wachsen weiterhin. Wir ernten sie nach und nach, sobald sie reif sind. Allerdings ist der Garten weniger gepflegt als im vergangenen Jahr. Meine Behinderung hat mich daran gehindert, ihm die notwendige Zeit zu widmen. Deniz wiederum musste seine Operation, seine Arbeit und die Vorbereitung auf die Prüfungen am Ende seines ersten Ausbildungsjahres unter einen Hut bringen. Unter diesen Umständen musste der Garten lernen, etwas selbstständiger zu werden. Einige Gemüsesorten scheinen diese Freiheit besser zu verkraften als andere.
Letzte Woche haben mich Gaby und Markus, zwei Freunde, die ich seit meiner Kindheit kenne, zum Abendessen eingeladen. Sie verbringen abwechselnd sechs Monate in Spanien und sechs Monate in der Schweiz. Sie geniessen ihren Ruhestand in vollen Zügen und haben offensichtlich eine besonders angenehme Lebensform gefunden. Wir verbrachten einen wunderbaren, herzlichen und entspannten Abend miteinander, der mir sehr gutgetan hat.
Am Mittwochmorgen traf ich mich in Thun mit einigen ehemaligen Arbeitskollegen zu einem Apéro. Wie nicht anders zu erwarten, liessen wir die verschiedenen Vorgesetzten Revue passieren, die wir im Laufe der Jahre erlebt hatten. Dabei kamen ihre Stärken und Schwächen ebenso zur Sprache wie einige Erinnerungen, die mit der Zeit deutlich amüsanter geworden sind. Eine gewisse Distanz verbessert manchmal das Gedächtnis oder macht es zumindest diplomatischer.
Am 1. August feiert die Schweiz ihren Nationalfeiertag. Eine kleine historische Anekdote: Erst seit 1994 ist dieses Datum in der ganzen Schweiz ein offizieller Feiertag. Zuvor arbeiteten viele Menschen noch bis zum Mittag. Der Patriotismus musste damals offenbar bis zum Ende des Vormittags warten.
Dieses Datum ist gleichzeitig der Geburtstag von zwei meiner engsten Kollegen. Der erste ist Marco, ein Motorradfreund aus Zürich. Der zweite ist Caspar, ein ehemaliger Arbeitskollege. Caspar lud mich zu seiner Geburtstagsfeier ins Emmental ein, direkt am Ufer der Emme. Leider war der Fluss vollständig ausgetrocknet. Ein ebenso eindrücklicher wie beunruhigender Anblick. Trotz dieser traurigen Feststellung war die Feier wunderschön, und ich habe sie in vollen Zügen genossen.
All diese gesellschaftlichen Aktivitäten tun mir ausserordentlich gut. Nachdem ich so lange beinahe wie ein Mönch gelebt hatte, abgeschottet und bewegungsunfähig in seinem Kloster, geniesse ich nun jede Einladung, jede Begegnung und jeden gemeinsam verbrachten Moment. Der Unterschied ist gewaltig. Mein Leben gewinnt nach und nach seinen Rhythmus, seine Farben und vor allem seine menschlichen Kontakte zurück.
Am Freitag besuchte ich meine Mutter. Sie war niedergeschlagen. Leider wird ihr zunehmend bewusst, dass ihre eingeschränkte Mobilität es ihr nicht mehr erlaubt, zu Hause so viele Aufgaben wie früher zu erledigen. Sie war immer sehr stolz auf ihr Zuhause und ihren Garten. Dass sie sich nicht mehr so darum kümmern kann, wie sie es gerne möchte, belastet sie sehr.
Ein Umzug in ein Alters- oder Pflegeheim kommt für sie nicht infrage. Sie ist tief mit ihrer gewohnten Umgebung, ihrem Zuhause und ihren wunderbaren Nachbarn verbunden. Eine regelmässigere Unterstützung zu Hause könnte ihr möglicherweise ermöglichen, weiterhin in ihrem Haus zu leben und gleichzeitig die notwendige Hilfe zu erhalten. Diese Möglichkeit sollte sorgfältig geprüft werden. Dabei müssen sowohl ihre Bedürfnisse als auch ihr berechtigter Wunsch nach grösstmöglicher Selbstständigkeit berücksichtigt werden.
Schliesslich hat Deniz seine Prüfungen am Ende des ersten Ausbildungsjahres absolviert. Er hat einen recht guten Eindruck, was bereits ermutigend ist. Nun müssen wir uns noch einige Tage gedulden, bis die offiziellen Ergebnisse bekannt gegeben werden.









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