Marokko: leuchtende Erinnerungen an eine gescheiterte Reise
- Philippe Selot

- 19. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. Aug.
Vor zwei Jahren machte ich mich auf den Weg nach Marokko. Dieses Land war ursprünglich gar nicht Teil meiner geplanten Route: Mein Traum war es, die Schweiz bis nach Australien auf dem Landweg zu erreichen, durch Russland, Zentralasien und viele andere ferne Gegenden. Doch zwischen der Covid-19-Pandemie und dem Einmarsch in die Ukraine musste dieses ehrgeizige Vorhaben aufgegeben werden. Marokko wurde so zur Alternative, und was für eine Alternative!
Schon bei meiner Ankunft in Marokko war ich beeindruckt von der Herzlichkeit der Menschen. Die Marokkaner, denen ich begegnete, zeigten eine seltene Freundlichkeit, stets hilfsbereit, aufmerksam und gastfreundlich. Das Land selbst bescherte mir atemberaubende Landschaften: von den mediterranen Küsten bis zu den Ufern des Atlantiks, über grüne Täler mit Gemüseanbau, die trockenen Gebiete des Atlasgebirges mit Gipfeln über 2’500 Meter und schliesslich die Tore zur grossen Wüste im Süden. Diese Reise hat unauslöschliche Eindrücke in mir hinterlassen.
Ursprünglich sollte dieser Blog ein Reisetagebuch sein, ein Ort, um meine Eindrücke, Entdeckungen und das Staunen zu teilen. Doch ein Unfall während einer Wanderung veränderte alles. Der Rücktransport in die Schweiz und sieben Operationen hintereinander verwandelten diese Reiseerzählung in einen Genesungsbericht. Ich zweifelte sogar daran, weiterzuschreiben. Nach reiflicher Überlegung entschied ich mich, dranzubleiben, denn dieser Blog ist auch meine Art, mit dem verbunden zu bleiben, was ich liebe: Bewegung, Erkundung und Weltoffenheit.
Heute ist meine Situation weit entfernt von dem, was ich mir vorgestellt hatte. Mit einer Behinderung zu leben, war nie Teil meiner Pläne. Mein letzter Aufenthalt in Spanien hat mir schmerzlich vor Augen geführt, dass meine Mobilität eingeschränkt ist und gewisse Reisen wohl nicht mehr möglich sein werden. In einer Woche sind es zwei Jahre, seit mein Leid begann. Dank einer Orthese kann ich inzwischen ohne Krücken gehen, doch jeder Schritt bleibt unsicher. Die Zukunft ist ungewiss.
Wie mein Chirurg mir riet, werde ich versuchen, den Sommer zu geniessen, und im Herbst machen wir einen neuen Zwischenstand. Bis dahin gehe ich meinen Weg so gut es geht, mit den Bildern des Marokko vor Augen, den dort geteilten Lächeln und der Wehmut über eine Reise, die unmöglich geworden ist.
Ich bemühe mich, die Hoffnung zu bewahren, auch wenn mich die Realität meiner Situation täglich einholt.
Der 16. Mai markiert den zweiten Jahrestag meines Unfalls und meiner Hospitalisation in Midelt.




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