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8. März 2026

  • Autorenbild: Philippe Selot
    Philippe Selot
  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Der 7. März wird in unserer Familie ein besonderes Datum bleiben. An diesem Tag hat meine Mutter ihren 95. Geburtstag gefeiert und ist damit gewissermassen zur Doyenne der Familie geworden. Ein ehrenvoller Titel …

 

Der Tag begann jedoch zunächst eher grau. Laut ihren Nachbarn war sie mit gedrückter Stimmung aufgestanden. Die Auswirkungen des Alters machen sich manchmal deutlich bemerkbar: Arthrose in den Knien, der Hüfte oder der Schulter kann selbst einfache Alltagsbewegungen zu einer echten Herausforderung machen. Mit 95 Jahren neigt der Körper ganz natürlich dazu, jede Bewegung ein wenig zu verhandeln.

 

Doch wie so oft nahm der Tag eine ganz andere Wendung. Die Geburtstagsnachrichten trafen eine nach der anderen ein. Nachbarn kamen vorbei, jeder mit Blumen, einem freundlichen Wort oder einfach mit ein paar Minuten Zeit. Diese kleinen Aufmerksamkeiten wirkten wie ein erster Sonnenstrahl.

 

Für mich begann der Tag etwas anders. Ich nahm das Auto, um Deniz beim Bahnhof abzuholen. Mit einem linken Fuss im Gips ist Autofahren zwar möglich, sagen wir einfach, es erhöht den Schwierigkeitsgrad ein wenig. Anschliessend holten wir eine Geburtstagstorte und ein wunderschönes Blumenarrangement, bevor wir zu meiner Mutter fuhren.

 

Als ich ankam, war sie tatsächlich noch nicht in besonders festlicher Stimmung. Doch das Programm des Tages sah einen Ausflug nach Murten vor, wo ich im Restaurant Le Bateau einen Tisch reserviert hatte. Und manchmal reicht ein gutes Essen im Kreis von Menschen, die einem nahestehen, um die Welt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

 

Das Mittagessen entwickelte sich zu einer kleinen kulinarischen Reise. Wir begannen mit einem Amuse-Bouche, gefolgt von Oktopus auf einem Bett aus Artischocken. Danach ein Sellerie Consommé mit Crevetten. Auch der Hauptgang stand dem in nichts nach: gebratene Wachtel, dann Zander mit Kapernsauce und zum Abschluss ein Schokoladen-Moelleux. Begleitet wurde alles von Weinen aus der Region Vully oberhalb des Murtensees.

 

Im Laufe des Essens änderte sich die Stimmung spürbar. Die Schmerzen traten in den Hintergrund und das Lächeln kehrte zurück. Meine Mutter hat diesen Moment sehr genossen, gute Küche hat manchmal fast therapeutische Wirkung.

 

Mit am Tisch sassen Erika und Urs, Nachbarn, die sich mit viel Hingabe und Empathie um sie kümmern. Ein grosses Dankeschön an euch beide für eure Präsenz, eure Herzlichkeit und alles, was ihr mit so viel Engagement tut. Auch Deniz gehörte zur kleinen Runde. Später stiessen mein Cousin Peter und seine Frau Jeanine zum Dessert zu uns.

 

In diesem Moment enthüllte Deniz seine Überraschung: eine Torte mit Kerzen. Wir stimmten ein begeistertes «Happy Birthday» an, vielleicht musikalisch nicht ganz perfekt, aber dafür umso herzlicher. Mit 95 zählt man nicht mehr die Kerzen, sondern feiert vor allem das Licht.

 

Am Ende war es ein sehr schöner Tag. Er hat ihr das gegeben, was am meisten zählt: Nähe, Lachen und gemeinsam erlebte Freude.

 

Auch für mich war die Woche von einem medizinischen Termin geprägt. Am Donnerstag hatte ich einen Termin bei der Wundspezialistin. Das kleine Loch in der Narbe heilt weiter, langsam, aber stetig. Nachdem die Pumpe einige Tage zuvor entfernt worden war, entschied sie, sie wieder einzusetzen, um den Heilungsprozess zu beschleunigen.

 

Ich werde sie also bis nächsten Donnerstag tragen. An diesem Tag habe ich einen neuen Termin im Orthopädiezentrum: Röntgenaufnahme, Kontrolle der Wunde und ein Gespräch mit dem Chirurgen, Professor Krause. Dann sollte auch festgelegt werden, wie lange ich den Gips noch tragen muss und wie die weitere Genesungsphase aussehen wird.

 

Die Fortsetzung dieser Geschichte ist also noch offen. Aber wie dieser Geburtstag gezeigt hat: Selbst, wenn ein Morgen unter grauem Himmel beginnt, reichen manchmal ein paar wohlwollende Menschen, ein gutes Essen und eine Geburtstagstorte, damit der Tag am Ende in hellem Sonnenschein endet. ☀️


 


 
 
 

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