9. Juli 2026
- Philippe Selot

- vor 1 Tag
- 4 Min. Lesezeit
Seit dem 7. Juni ist es auf dem Blog ungewöhnlich still geworden. Das war kein Vergessen, sondern schlicht eine Zeit, in der das Leben alle Aufmerksamkeit beansprucht hat. Die Schweiz erlebte eine aussergewöhnliche Hitzewelle. In Bern stiegen die Temperaturen auf bis zu 35 Grad, während die Aare angenehme 24 Grad erreichte. Ideale Bedingungen für alle Badebegeisterten, deutlich weniger erfreulich für Gärtner und erst recht für Menschen, die einen orthopädischen Schuh tragen müssen.
Besonders gelitten hat unser Gemüsegarten. Solange mein Fuss noch ruhiggestellt ist, kann ich keine Giesskanne tragen. Und den Gartenschlauch darf ich wegen der geltenden Trockenheitsmassnahmen nicht benutzen. Ganz ehrlich, ich habe die Vorschriften einmal ein wenig grosszügig ausgelegt. Mit zwei Krücken würde mir wohl kaum jemand vorwerfen, ein paar durstige Gemüsepflanzen gerettet zu haben.
Trotz dieser schwierigen Bedingungen hat uns der Garten viele schöne Momente geschenkt. Deniz konnte die ersten Gemüse der Saison ernten. Unser Gemüsegarten ist dieses Jahr sogar noch vielfältiger als im vergangenen Jahr. Erbsen, Blumenkohl, Randen, Bohnen, Fenchel, Gurken, Auberginen, Kartoffeln, Kohl, Radieschen, Peperoni, Zwiebeln, Krautstiele, Erdbeeren und vieles mehr wachsen dort ganz ohne Pflanzenschutzmittel. Darauf dürfen wir mit gutem Gewissen stolz sein. Unser Gemüsegarten ist ein echter Biogarten. Das Gemüse hält sich tapfer, auch wenn ihm die grosse Hitze und der Wassermangel jeden Tag aufs Neue zeigen, dass der Sommer 2026 alles andere als einfach ist.
Auch von Deniz gibt es sehr erfreuliche Nachrichten. Er hat sich vollständig von seiner Blinddarmoperation erholt und sein Praktikum auf der Geriatrie wieder aufgenommen. Im August beginnt für ihn ein neuer Ausbildungsabschnitt in der Psychiatrie. Es ist schön zu sehen, wie er seine Energie und Lebensfreude vollständig zurückgewonnen hat.
Das Wochenende vom 13. Juni war eine besonders willkommene Abwechslung. Unser Motorradclub aus Zürich, dem ich seit vielen Jahren angehöre, feierte in Murten sein 40 jähriges Bestehen. Da sich diese wunderschöne mittelalterliche Stadt nur rund zwanzig Minuten von Bern entfernt befindet, durfte ich einen Teil der Organisation übernehmen.
Während die Motorradfahrer am Samstag zu einer Tour durch den Schweizer und französischen Jura aufbrachen, war ich leider noch immer nicht in der Lage, selbst Motorrad zu fahren. Deshalb organisierte ich das Programm für die Teilnehmer ohne Motorrad. Gemeinsam entdeckten wir Murten bei einer spannenden Stadtführung. Die charmante Kleinstadt feiert dieses Jahr den 550. Jahrestag der Schlacht bei Murten. Im Jahr 1476 errangen die Eidgenossen hier einen entscheidenden Sieg über Karl den Kühnen, Herzog von Burgund (https://terapixelpanorama.ch/?l=de). Beim Spaziergang durch die hervorragend erhaltene Altstadt fällt es leicht, sich dieses bedeutende Kapitel der Schweizer Geschichte vorzustellen. Die Vergangenheit scheint zwischen den Stadtmauern und den mittelalterlichen Fassaden noch heute lebendig zu sein.
Anschliessend setzten wir mit dem Schiff über den Murtensee ins Dorf Praz über. Im wunderschönen Restaurant Bel Air genossen wir ein ausgezeichnetes Mittagessen mit frisch zubereiteten Eglifilets, einer echten Spezialität der Region.
Am späteren Nachmittag trafen wir wieder auf die Motorradfahrer, die von ihrer Ausfahrt zurückgekehrt waren. Gemeinsam liessen wir den Tag bei einem festlichen Abendessen ausklingen. Auch wenn ich dieses Jahr selbst nicht mit dem Motorrad unterwegs sein konnte, hat mich dieses Wochenende daran erinnert, wie wertvoll solche Treffen sind. Sie bringen Freunde zusammen, verbinden Menschen mit derselben Leidenschaft und zeigen, dass es immer mehrere Möglichkeiten gibt, ein Motorradtreffen zu geniessen. Selbst dann, wenn das Motorrad pausieren muss und sein Besitzer noch immer mit einem orthopädischen Schuh unterwegs ist.
Für mich steht in der kommenden Woche ein wichtiger Termin bei meinem Chirurgen bevor. Ich hoffe sehr, mich endlich von meinem VACOped Schuh verabschieden zu können. Während dieser Hitzewelle hat er sich in eine regelrechte Sauna verwandelt. Er ist hervorragend gepolstert und speichert leider auch die Wärme ausgezeichnet. Man könnte ihn fast als tragbare Sauna zertifizieren lassen.
Neben den körperlichen Einschränkungen hat diese lange Genesungszeit auch meine Stimmung belastet. Ich habe eine echte schwierige Phase durchlebt. Es ist inzwischen bereits der vierte Sommer, in dem mich die Folgen dieses Unfalls begleiten. Manchmal fällt es schwer, den gewohnten Optimismus aufrechtzuerhalten. Wahrscheinlich erklärt das auch, weshalb es auf dem Blog in den vergangenen Wochen so ruhig geworden ist. Ich hoffe jedoch, dass diese Zeit nun langsam hinter mir liegt und die kommenden Monate endlich einen echten Neuanfang bringen.
Auch meine Mutter, die inzwischen 95 Jahre alt ist, hat mir in den vergangenen Wochen einige Sorgen bereitet. Sie ist gleich zweimal gestürzt. Glücklicherweise blieb es beide Male ohne schwerwiegende Folgen. Schon seit längerer Zeit versuchte ich, sie davon zu überzeugen, einen Notrufknopf am Handgelenk zu tragen, ähnlich wie ihn ihre Schwester vor ihrem Tod benutzte. Wie viele Menschen ihres Alters hielt sie ein solches System für unnötig, kompliziert oder einfach überflüssig. Doch nach einem nächtlichen Sturz, bei dem sie längere Zeit hilflos am Boden lag und keine Hilfe rufen konnte, änderte sich ihre Einstellung.
Schliesslich erklärte sie sich bereit, ein solches System auszuprobieren. Ich installierte ihr deshalb eine komplette Notruflösung mit einer Basisstation zu Hause, einem Notrufknopf am Handgelenk sowie einem kleinen Gerät, das um den Hals getragen wird und über Lautsprecher und Mikrofon verfügt. Im Notfall genügt ein Knopfdruck, damit eine Notrufzentrale alarmiert wird. Diese kontaktiert nacheinander die hinterlegten Bezugspersonen, bis jemand erreichbar ist. Befindet sich meine Mutter in der Nähe der Basisstation oder trägt sie das Gerät um den Hals, kann sie sofort mit der angerufenen Person sprechen. Als Kontaktpersonen habe ich ihre beiden nächsten Nachbarn sowie mich eingetragen. Auch wenn ich leider nicht in unmittelbarer Nähe wohne, gibt mir das Wissen, dass rasch Hilfe organisiert werden kann, ein beruhigendes Gefühl. Mit 95 Jahren fällt jede neue Gewohnheit etwas schwerer, doch manche Veränderungen bringen einen echten Gewinn an Sicherheit.
Schliesslich beschäftigte mich in den vergangenen Wochen noch ein heikles Thema. Ein befreundeter Arzt ist der Ansicht, dass aufgrund der zahlreichen Komplikationen der vergangenen Jahre eine rechtliche Auseinandersetzung mit dem Spital gerechtfertigt wäre. Dabei geht es insbesondere um die Staphylokokken Infektion, den Schienbeinbruch sowie die Probleme mit einigen Narbennähten.
Ich habe deshalb sowohl meine Rechtsschutzversicherung als auch meinen Hausarzt um ihre Einschätzung gebeten. Beide rieten mir zu Zurückhaltung. Sie sind der Meinung, dass ein Gerichtsverfahren derzeit nicht die beste Lösung wäre, vor allem weil sich gewisse ursächliche Zusammenhänge nur schwer eindeutig nachweisen lassen.
In einem Punkt herrscht allerdings Einigkeit. Die Qualität einiger Nähte war offensichtlich ungenügend und führte zu Komplikationen, die sich vermutlich hätten vermeiden lassen. Eine Anerkennung dieses Fehlers verbunden mit einer ehrlichen Entschuldigung wäre mir heute wichtiger als ein langwieriger Gerichtsprozess. Fehler können schliesslich jedem passieren. Entscheidend ist, den Mut zu haben, sie einzugestehen. Dem Chirurgen, der für diese Nähte verantwortlich war, würde ich allerdings mit einem Augenzwinkern einen kleinen Nähkurs empfehlen. Und ein Gerichtsverfahren wird mir meine frühere Beweglichkeit leider auch nicht zurückbringen.

































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