top of page

29. Dezember 2025

  • Autorenbild: Philippe Selot
    Philippe Selot
  • 29. Dez. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Nach einigen Tagen der Stille ist es an der Zeit, den Faden wieder aufzunehmen. Die vergangenen Tage waren nicht einfach: Ich habe mich nicht gut gefühlt, und als ob das nicht genug wäre, trat zusätzlich ein technisches Problem auf meiner Website auf. Ich stehe derzeit in Kontakt mit dem Anbieter, um die Situation zu klären. Nichts Dramatisches, aber ausreichend, um die Begeisterung etwas zu dämpfen.

 

24. Dezember, die Ruhe vor dem Sturm: Der Abend des 24. Dezember war nicht gerade von Euphorie geprägt. Nach der Zubereitung eines wohltuenden Abendessens, Wolfsbarsch, Gambas und gedünstetes Gemüse, ging ich relativ früh schlafen, ohne zu ahnen, dass die kommenden Tage alles andere als erholsam sein würden.

 

25. Dezember: Weihnachten im Spital. Am Morgen um 6.45 Uhr begleitet mich Deniz ins Spital. Alles verläuft sehr zügig: Zuerst die Einrichtung im Zimmer, danach geht es direkt in den Vorbereitungsraum. Aufgrund des Weihnachtstages ist das Personal reduziert. Deniz leistet dabei unerwartete Unterstützung und hilft, mein Bett bis zum Operationsbereich zu schieben, wo wir uns voneinander verabschieden.

 

Die Anästhesiepflegefachfrau fragt mich lächelnd, ob Deniz mein Sohn sei 😊. Ich erkläre ihr unsere Beziehung, dann beginnen die ernsthaften Vorbereitungen. Eine Infusion wird gelegt, gefolgt von einer Spinalanästhesie, die beim ersten Versuch problemlos wirkt. Kurz darauf befinde ich mich bereits im Operationssaal, zur neunten Operation.

 

Propofol zeigt rasch seine Wirkung. Rund 45 Minuten später wache ich wieder auf, während der Verband noch angelegt wird. Professor Krause informiert mich, dass die Spülung und Reinigung der Narbe sehr gut verlaufen seien. Anschliessend werde ich auf die Intermediate-Care-Station (IMC) gebracht. In der Nachbarkabine erzählt ein völlig verwirrter Patient ebenso unglaubliche wie unterhaltsame Geschichten, eine unerwartete Einlage.

 

Etwa eine Stunde später werde ich zurück in mein Zimmer begleitet. Bisher hatte ich nach Operationen meist nur geringe Schmerzen. Dieses Mal ist es anders: Die Schmerzen sind stärker, ein allgemeines Unwohlsein stellt sich ein. Die verabreichten Medikamente zeigen nur begrenzte Wirkung. Währenddessen feiert Deniz Weihnachten bei meiner Mutter, die sonst allein gewesen wäre. Auf dem Menü steht Ofen Ente. Am frühen Nachmittag besucht er mich. Auf meine Frage, wie die Ente gewesen sei, weicht er aus. Kaum hake ich nach, öffnet sich die Zimmertür: Meine Mutter, mein Cousin Peter und seine Ehefrau Jeanine treten ein. Ein sehr herzlicher und willkommener Besuch. Meine Mutter berichtet mir schliesslich, die Ente habe vermutlich eine sehr lange Flugzeit hinter sich gehabt, bevor sie im Ofen landete, das Fleisch sei, sagen wir es diplomatisch, ausgesprochen fest gewesen.

 

Gegen Abend nehmen die Schmerzen zu, begleitet von Fieber. Eine Blutentnahme ist notwendig. Wie so oft nach Antibiotikainfusionen ziehen sich meine Venen zurück und sind kaum auffindbar. Nach mehreren Versuchen gelingt es einer Pflegefachfrau schliesslich, Blut abzunehmen. Die Nacht ist unruhig, die Schmerzen halten an. Ein zusätzliches Medikament zeigt jedoch Wirkung, sodass ich schliesslich schlafen kann.

 

26. Dezember: Sorgen und Abklärungen. Am nächsten Tag fühle ich mich weiterhin fiebrig und appetitlos. Beim Einschenken einer Tasse Tee löst eine einfache Drehbewegung plötzlich einen stechenden Schmerz im Fuss aus, ein sehr ungutes Gefühl. Das Pflegepersonal wird informiert, und eine Röntgenaufnahme wird veranlasst. Am späten Nachmittag kommt Deniz erneut zu Besuch, mit einem Blumenstrauss und Schokolade, trotz meiner klaren Bitte, mit leeren Händen zu erscheinen. Zur Abklärung der Fieberschübe (bis 38,9 °C) werden zwei Blutkulturen angeordnet.

 

Die Suche nach einer Vene wird zur echten Geduldsprobe. Nach fünf erfolglosen Versuchen geben die Pflegefachpersonen auf. Deniz, der alles beobachtet, versteht weder meine Geduld noch, weshalb nicht früher die Anästhesie hinzugezogen wird. Er muss schliesslich seinen Zug nach Olten erreichen. Ich werde daraufhin in den Beobachtungsraum verlegt. Ein Anästhesist versucht mithilfe eines Ultraschallgeräts, eine Vene zu finden. Nach mehreren Versuchen fliesst endlich Blut, allerdings zu langsam. Erst nach drei Punktionen kann ausreichend Blut für eine verwertbare Probe gewonnen werden. Es hat seinen Grund, weshalb bei früheren Eingriffen jeweils ein zentralvenöser Katheter (ZVK) gelegt wurde.

 

Die folgende Nacht ist sehr anstrengend: Schmerzen, Fieber und Schüttelfrost. Auch der Sonntag verläuft ähnlich, mit starkem Schwitzen und erneuten Fieberschüben. Am Abend verordnet die diensthabende Ärztin eine zusätzliche Medikation. Ich schlafe besser und wache am Montagmorgen in einem durchnässten Bett auf, fühle mich jedoch insgesamt deutlich besser.

 

Professor Krause kommt mit seiner Assistentin zum Verbandswechsel. Die Resultate der Blutkulturen liegen noch nicht vor, dennoch stellt er eine baldige Entlassung in Aussicht, abhängig von den Analysen. Auf meine Frage hin bestätigt er, dass er die Röntgenbilder noch nicht gesehen habe. Kurz darauf besucht mich Dr. Flückiger und erkundigt sich nach meinem Befinden, eine sehr geschätzte Aufmerksamkeit. Endlich kann ich duschen, ein kleiner Luxus mit grosser Wirkung.

 

Dann, unerwartet, kehrt Professor Krause zurück, begleitet von Dr. Huber (der bereits bei der Operation vom 15. anwesend war) und Dr. Grob. Diese geballte Präsenz ist selten zufällig.Die Mitteilung folgt: eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Die Blutkulturen sind negativ. Die schlechte: Die akuten Schmerzen sind auf eine mangelnde Stabilität der Tibia zurückzuführen. Konkret wurde eine Schwächung im Bereich der oberen Schraube festgestellt.

 

Die Konsequenz: Ich darf nach Hause gehen, kehre jedoch am 5. Januar für einen weiteren Eingriff zurück. Entlang der Tibia wird eine Platte fixiert, um die Stabilität des Knochens zu verbessern. Damit stehen wir bei Operation Nummer 10. Ein vergleichsweiser unkomplizierter Eingriff, der zukünftige Komplikationen verhindern soll.

 

Fazit: Ich erlebe ein Auf und Ab, bleibe jedoch zuversichtlich. Dieser nächste Eingriff sollte die Stabilität meines Fusses langfristig deutlich verbessern.Und mit etwas Glück wagen wir bald einen neuen Versuch mit einer Ente, diesmal hoffentlich deutlich zarter.

 



 
 
 

Kommentare


bottom of page