2. Februar 2026
- Philippe Selot

- vor 1 Tag
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Offenbar zeigt sich das Schicksal einmal mehr von seiner ausdauernden Seite – fast schon bewundernswerte Konsequenz. Seit meinem letzten chirurgischen Eingriff am 5. Januar hat sich eine eher unerwartete Situation entwickelt: Von insgesamt fünf Narben wollte ein etwa ein Zentimeter langer Abschnitt einer davon schlicht nicht verheilen.
Bis vor Kurzem war die Behandlung zurückhaltend und klassisch. Bei den Kontrollterminen beschränkte sich die Wundexpertin auf eine sorgfältige Reinigung sowie auf die Anwendung einer heilungsfördernden Salbe auf Honigbasis. Ein sanfter, geduldiger Ansatz, leider ohne sichtbaren Erfolg.
Am vergangenen Donnerstag war angesichts der ausbleibenden Besserung eine gewisse Verärgerung spürbar. Sie entschied sich deshalb, einen Schritt weiterzugehen. Mit der Lupe bewaffnet, untersuchte sie die Narbe sehr genau. Dabei kam die Ursache ans Licht: Ein Rest eines Nahtfadens war noch vorhanden. Ein Knoten, tief im Gewebe sitzend, der sich mit einer einfachen Pinzette nicht entfernen liess.
Ab diesem Moment nahm die Situation eine deutlich dynamischere Wendung. Fast im Eilschritt ging es ins Büro von Professor Krause, dem Chirurgen, der mich operiert hatte. Sie bat ihn, den hartnäckigen Faden zu entfernen. Der Professor kam umgehend, entschuldigte sich und erklärte, dass das Setzen der Nähte nicht in seinem Verantwortungsbereich gelegen habe. Mit Vergrösserungsbrille ausgestattet, lokalisierte er den Faden rasch, doch dessen Entfernung entwickelte sich zu einer echten Herausforderung. Schmerzhaft, langwierig und alles andere als elegant, man könnte es als eine kleine „Intervention in der Intervention“ bezeichnen.
Nach diesem Eingriff blieb ein etwa ein Zentimeter grosses Loch zurück. Die Wundspezialistin legte daraufhin ein mit heilungsförderndem Honig getränktes Gewebe in die Wunde, deckte alles mit einem Verband ab und vereinbarte einen neuen Termin für den heutigen Morgen.
Das Wochenende verlief entsprechend wenig erholsam. Die Schmerzen im Bereich der Narbe, begleitet von Krämpfen im Fuss, waren ausgesprochen unangenehm. Ich musste daher auf Schmerzmittel zurückgreifen. Glücklicherweise zeigten diese Wirkung und ermöglichten mir, die Tage unter akzeptablen Bedingungen zu überstehen.
Eines ist sicher: Dieser Behandlungsverlauf hält weiterhin Überraschungen bereit. Wenn schon nicht langweilig, so lehrt er mich zumindest Geduld und einen gewissen Sinn für Humor im Umgang mit den Eigenheiten der Wundheilung.
Vor meinem Termin bei Frau Jucker, Wundpflegefachfrau, musste ich noch kurz warten. Diese Wartezeit wurde unerwartet genutzt: Dr. Zimmermann, Assistenzchirurgin von Dr. Flückiger, der mich bereits mehrfach operiert hat, kam vorbei und besuchte mich.
Wir besprachen den aktuellen Stand meiner Situation, und sie informierte mich, nicht ohne ein Schmunzeln, dass mein Fall regelmässig an den chirurgischen Rapporten des Spitals Sonnenhof thematisiert wird. Ich erwähnte ihr daraufhin, mit einem kleinen Augenzwinkern, dass ich bedauere, dass sie meine Nähte nicht selbst gesetzt hatte: Ihr Ruf für „Haute-Couture“-Nähte ist schliesslich bestens bekannt.
Kurz darauf wurde der Verband entfernt, und Frau Jucker zog Dr. Flückiger für eine direkte Beurteilung hinzu. Er entschied sich für eine präventive antibiotische Therapie. Die Wunde zeigt sich derzeit als kleine Kavität, in welche ein kupferimprägniertes Gewebe eingelegt wurde. Dieses Material verfügt über sehr gute Eigenschaften zur Förderung der Heilung sowie zur Prävention von Infektionen. Die übrigen Narben sind leicht gerötet, derzeit jedoch unauffällig. Ein erneuter Verbandswechsel ist für Donnerstag geplant. Bis dahin wurde mir zudem empfohlen, meine Proteinzufuhr zu erhöhen, unter anderem durch Proteinshakes (wie sie im Fitnessbereich verwendet werden), da Proteine eine wichtige Rolle im Heilungsprozess spielen.
Zum Schluss noch einige Worte zu Deniz. Am 23. Januar hat er sein erstes Praktikum am Spital Olten abgeschlossen. Anschliessend wurde er während einer Woche von Expertinnen und Experten beurteilt, die seine praktische Arbeit evaluierten. Der abschliessende Kommentar bringt seine Leistung treffend auf den Punkt:„Die von Herrn Kaplan erzielten Ergebnisse übertreffen die Erwartungen an einen Studierenden im ersten Ausbildungsjahr.“Die Bewertung lautete „exzellent“.
Es versteht sich von selbst, wie stolz er auf dieses Resultat ist, insbesondere mit Blick auf seinen bisherigen Weg. Auch ich freue mich sehr zu sehen, dass er klar auf dem richtigen Kurs ist. Am vergangenen Freitag reiste er nach Dersim in Türkisch-Kurdistan, um seine Familie zu besuchen. Am 14. kehrt er zurück und nimmt dann den theoretischen Teil seiner Ausbildung wieder auf.








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