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26. Februar 2026

  • Autorenbild: Philippe Selot
    Philippe Selot
  • 26. Feb.
  • 3 Min. Lesezeit

Letzten Mittwoch hat mich mein Kollege René, ein Motorradfahrer aus Köln, besucht. Das war keine alltägliche Visite: Nach mehreren Wochen fast ausschliesslich zuhause konnte ich endlich wieder unterwegs sein – buchstäblich. Dank René konnte ich das Auto aus der Garage holen, dass seit Mitte Dezember nicht mehr bewegt worden war.

 

Am nächsten Morgen, am Donnerstag, hat er mich zum orthopädischen Zentrum gefahren, wo meine regelmässige Kontrolle stattfand. Danach stand ein Termin beim Coiffeur an – eine Aufgabe, die wirklich dringend nötig war.

 

Mit gestärktem Appetit nach diesen beiden ersten Stopps haben wir uns darauf gefreut, ein tolles Buffet in einem afghanischen Restaurant zu geniessen. Die reichhaltigen Gerichte und feinen Aromen gaben unserem Mittagessen ein echtes Gefühl von Feierlichkeit.

 

Am Nachmittag wollte ich ein paar Säcke mit Dingen loswerden, von denen ich mich endlich trennen wollte. Also machten wir uns auf den Weg zum Recyclingzentrum.

 

Am Abend fand der Tag einen ebenso angenehmen Ausklang beim Italiener um die Ecke, wo eine gute Pizza und ein angeregtes Gespräch mit René diese Abweichung vom Alltag abrundeten.

 

Am nächsten Tag, am Freitag, haben wir noch einige notwendige Einkäufe erledigt, bevor wir uns verabschiedeten. Dieser Besuch hat mir sehr gut getan: Er hat mich aus meinen vier Wänden herausgebracht. Darum an dieser Stelle ein grosses Dankeschön an dich, René.

 

Vor zwei Monaten unterzog ich mich der zweiten der drei letzten geplanten chirurgischen Eingriffe. Zu diesem Zeitpunkt war ich überzeugt, dass die akute Phase hinter mir lag und die Genesung einen relativ einfachen Verlauf nehmen würde. Die Realität zeigte sich jedoch etwas anders.

 

Zwei Monate später bin ich immer noch wegen einer Komplikation im Bereich der Narbe in Behandlung. Die Ursache ist einfach, fast banal: eine Unachtsamkeit beim Setzen der Naht. Ein technisches Detail, ein Stich und ein schlecht gemachter Knoten – und der Heilungsprozess nimmt einen anderen Verlauf.

 

Professor Krause musste persönlich eingreifen, um den Nahtfaden zu entfernen, der mit seinem Knoten in der Wunde verblieben war. Aus sensorischer Sicht war diese Erfahrung, zurückhaltend formuliert, nicht besonders angenehm. Die Suche nach dem Faden in einem Gewebe, das bereits durch mehrere Eingriffe sensibilisiert war, ist für einen Patienten kein belangloser Vorgang.

 

Die weitere Wundheilung erfolgte mittels einer Unterdrucktherapie in Kombination mit einem geeigneten Verband, um Sekrete abzuleiten und den Wundverschluss gezielt zu fördern. Zusätzlich unterstützte die Anwendung von Bienenhonig die Heilung. Das Resultat ist deutlich sichtbar: Eine Öffnung von rund einem Zentimeter Durchmesser verkleinerte sich schrittweise auf nur noch wenige Millimeter.

 

Aber diese Verzögerung und die Komplikationen wären wirklich nicht nötig gewesen! ☹

 

Ab Montag, bei meiner nächsten Konsultation bei der Wundspezialistin, wird die Pumpe durch einen einfachen wasserdichten Verband ersetzt. Das mag unscheinbar erscheinen, aber meinen Fuss und mein Bein selbst unter der Dusche waschen zu können, bedeutet einen echten Fortschritt in Bezug auf Selbstständigkeit und Lebensqualität.

 

Heute Morgen habe ich zudem einen neuen Gips erhalten, der voraussichtlich Ende März entfernt werden kann. Nach mehreren Monaten der Immobilisation kommt dieses Datum fast wie ein kleines Fest!

 

Parallel zur medizinischen Behandlung spielte sich ein weiterer Teil der Geschichte auf administrativer Ebene ab: die Auseinandersetzung mit der Krankenversicherung, der CSS. Die Kosten für medizinische Transporte und Haushaltshilfe im Dezember wurden zunächst nicht übernommen, mit der Begründung, die ärztliche Verordnung sei erst nach dem letzten Eingriff im Januar ausgestellt worden.

 

Dabei waren die Diagnose sowie die Begründung für alle drei Operationen auf der Verordnung klar festgehalten. Die Versicherung verlangte dennoch eine separate Verordnung für jeden einzelnen Eingriff. Eine Verordnung ist jedoch kein symbolisches Dokument, das kostenlos ausgestellt wird. Sie ist Bestandteil einer verrechneten ärztlichen Leistung. Mehr Verordnungen bedeuten folglich auch mehr administrative Kosten. Diese Forderung erschien mir als Ausdruck eines gewissen Übereifers.

 

Nach mehreren Gesprächen und Klärungen wurde die Situation bereinigt, und sämtliche Leistungen wurden schliesslich rückerstattet.

 

Dieser Verlauf zeigt deutlich, dass der Erfolg einer Behandlung nicht allein vom chirurgischen Eingriff abhängt. Entscheidend sind ebenso die Sorgfalt im Detail, die Qualität der Nachbetreuung, die Wirksamkeit der therapeutischen Massnahmen und die Effizienz administrativer Prozesse. Wenn all diese Faktoren zusammenspielen, schreitet die Genesung voran. Schwächelt ein einzelnes Glied, verlängert sich der Weg.

 

Glücklicherweise entwickelt sich meine Geschichte inzwischen in die richtige Richtung. Und wenn mich diese Erfahrung etwas gelehrt hat, dann Geduld.



 
 
 

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