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12. Februar 2026

  • Autorenbild: Philippe Selot
    Philippe Selot
  • vor 14 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit

In den letzten Wochen enthält mein Terminkalender einen festen, unverrückbaren Termin: Zweimal pro Woche gehe ich zu einer Spezialistin für Wundpflege. Eine Routine, die so nicht vorgesehen war, sich jedoch nach einer Komplikation im Zusammenhang mit einer Naht ergeben hat. Diese konnte nur mit grosser Schwierigkeit entfernt werden und hat, ganz konkret gesagt, eine Hohlstelle im Bein hinterlassen.

 

In einer solchen Situation wäre es kontraproduktiv, einfach erneut zu nähen. Dadurch entstünde ein geschlossener Raum, ideal für die Vermehrung von Keimen. Bevor auch nur an eine Geweberekonstruktion zu denken war, erwies sich ein Schritt als unumgänglich: die gezielte Behandlung der Wunde und vor allem die Verhinderung einer Keimausbreitung. Ohne diese gesunde Grundlage ist kein heilender Durchbruch möglich.

 

Der gewählte Ansatz erstaunte mehr als einen Beobachter. Keine intensive Medikation und keine standardisierten Lösungen, sondern eine bewusst unkonventionelle Methode: Bienenhonig und Kupferumschläge. Eine Kombination, die eher an eine Imkerei und eine Handwerkswerkstatt erinnert als an eine hochtechnisierte Krankenhausumgebung… und doch.

 

Die Ergebnisse sprechen für sich. Die Rötung rund um die Narbe ging deutlich zurück, entzündliche Anzeichen nahmen ab, und das Wundmilieu wurde erneut heilungsfördernd. Mit anderen Worten: Der Boden war endlich bereitet. Genau in diesem Moment konnte die Geweberekonstruktion beginnen. Nicht übereilt, sondern auf stabiler Grundlage, mit einer beruhigten Wunde und einem wieder aktivierten Heilungsprozess. Ein Beweis dafür, dass die wirksamsten Lösungen nicht immer die komplexesten sein müssen.

  

Der gewählte Ansatz ist daher deutlich differenzierter: Das Gewebe soll sich schrittweise von innen nach aussen neu aufbauen. Eine Strategie der Geduld, unterstützt durch Technologie.

 

Um diesen Prozess zu unterstützen und zu beschleunigen, wurde mir letzten Montag ein Vakuumverband angelegt. In Kombination mit einer kleinen Pumpe werden Wundsekrete abgesaugt und die Neubildung von Gewebe effektiv stimuliert. Keine Sorge: Die Technik ist unauffällig. Die Pumpe ist kaum grösser als eine Streichholzschachtel, vollkommen geräuschlos und findet problemlos Platz in der Hosentasche. Mit anderen Worten: Moderne Medizin weiss auch, wie man im Hintergrund bleibt.

 

Somit ist alles darauf ausgerichtet, die Wundheilung zu optimieren und eine möglichst rasche Genesung zu fördern. Nachts allerdings ändert sich das Szenario leicht. Es kommt vor, dass ich heftige Spasmen im Fuss und im Bein habe, so stark, dass dabei bereits Bettwäsche zerrissen wurde. Es erübrigt sich zu sagen, dass mich diese Episoden abrupt aus dem Schlaf reissen. Nach drei oder vier Spasmen beruhigt sich die Lage zwar, doch bleiben danach diffuse, mässig, aber deutlich spürbare Schmerzen im Fuss zurück.

 

Dabei stellt sich mir eine Frage: Sind diese wiederholten Muskelkontraktionen wirklich folgenlos für die Schrauben und Platten, die fest in meinem Bein verankert sind? Zur Vorbeugung solcher Krisen nehme ich Pregabalin ein, ein Medikament, das unter anderem in der Epilepsiebehandlung eingesetzt wird, sich aber auch bei dieser Art von Beschwerden als wirksam erweist. Ich nehme es vor dem Schlafengehen ein. Leider lässt die Wirkung nach einigen Stunden nach … genau zu dem Zeitpunkt, an dem die Spasmen beschliessen aufzutreten.

  

Mit einer Mischung aus Anspannung und Nervosität begab ich mich daher heute ins orthopädische Zentrum. Das Programm war klar strukturiert: Zunächst Röntgenaufnahmen, danach die Beurteilung der Narbe sowie der Wirksamkeit des Vakuumverbandes durch die Wundspezialistin. Schliesslich der entscheidende Moment: das Eintreffen des Chirurgenteams, das mich operiert hat, um die Röntgenbilder zu interpretieren, die Situation zu bewerten und die nächsten Schritte festzulegen. Ein dichter, technischer, aber wesentlicher Termin und ein weiterer Meilenstein auf diesem Weg, bei dem Geduld, Technologie und eine gute Portion Humor eindeutig Teil der Therapie sind.

  

Professor Krause betritt als Erster den Raum. Wie so oft in solchen Momenten versuche ich, das Urteil in seinem Gesicht zu lesen. Mission unmöglich. Neutraler, perfekt kontrollierter Ausdruck. Kein Hinweis.

 

Nach den üblichen Begrüssungen stellt er mir eine einfache Frage:«Wie geht es Ihnen? Haben Sie Schmerzen?»

 

Eine scheinbar banale Frage. Doch im postoperativen Kontext kann sie tausend Szenarien auslösen. Warum diese Frage, wenn doch alles in Ordnung sein sollte? Mein Geist, in solchen Situationen stets sehr kooperativ, rechnet sofort mit dem Schlimmsten.

 

Ich antworte ihm, dass ich keine Schmerzen habe. Abgesehen von der eingeschränkten Mobilität und den nächtlichen Spasmen (die mit der Medikamenteneinnahme unter Kontrolle sind) geht es mir gut.

  

Seine Antwort kommt klar und sachlich: Auch er ist zufrieden.

  

Sofortige Erleichterung!

  

Die Röntgenaufnahmen bestätigen die klinische Untersuchung. Kein sichtbares Problem. Das Material sitzt korrekt, die Ausrichtung stimmt, die Knochenkonsolidierung verläuft planmässig. Technisch gesprochen: Alles ist dort, wo es sein soll.

  

Die Anweisungen bleiben jedoch strikt. Die Belastung des Fusses darf maximal 20 kg betragen. Mit anderen Worten: nicht viel. Der Gips bleibt mindestens bis Ende Maerz. Die erreichte Stabilität muss diszipliniert geschützt werden.

  

Es ist lange her, dass ich mich so glücklich und erleichtert gefühlt habe. Doch Euphorie darf nicht zu Nachlässigkeit führen. Die Knochenheilung mag weder Ungeduld noch übermässigen Optimismus. Die Regel bleibt einfach: den Fuss nicht belasten. In dieser Phase erleichtert die Nutzung meines Rollers als Alternative zu den Krücken die Einhaltung der Vorgaben erheblich. Er bietet mehr Stabilität, weniger Ermüdung und reduziert das Risiko von Fehlbewegungen. Wie so oft ist die nützlichste Innovation nicht die spektakulärste.

 

Und um dieses ohnehin positive Bild abzurunden, wird auch die kommende Woche reich an Besuchen sein. Marco, mein Kollege aus Zürich, kommt am Montag vorbei. René aus Köln wird von Mittwoch bis Freitag hier sein, bevor er weiter nach Luzern reist. Deniz kehrt morgen zurück und wird mich voraussichtlich am Wochenende besuchen. Gemeinsam müssen wir mehrere administrative Schritte im Zusammenhang mit seinem Stipendium voranbringen.

 

Zwischen konsequenter medizinischer Betreuung und freundschaftlicher Unterstützung bekommt die Genesung eine deutlich menschlichere Dimension.

Kurz gesagt: Disziplin gewahrt, Prognose günstig … und die Stimmung ausgezeichnet.

 

Deniz sandte mir auch ein paar Bilder vom Markt in Dersim. Man fühlt sich, als wäre man eher im Orient als im Okzident.

 

 GLÜCKLICH!




 


 
 
 

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