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26. August 2025

  • Autorenbild: Philippe Selot
    Philippe Selot
  • 26. Aug.
  • 3 Min. Lesezeit

Wie ich gestern in meinem Blog erwähnt habe, war ich zum Frühstück bei der Familie Kaplan eingeladen und auch die berühmte Nachbarin war mit dabei. Der Tisch war so reich gedeckt, dass kaum noch Platz für etwas übrig blieb. Die Nachbarin hatte köstliche kleine Brötchen gebacken, und ich musste natürlich von jedem einzelnen Gericht probieren.

 

Nach diesem Festmahl wechselten wir in die Küche, wo türkischer Kaffee und Baklava serviert wurden. Und wie jedes Mal wurde mir die Zukunft aus dem Kaffeesatz gelesen. Das Ergebnis: meine Zukunft sieht strahlend aus!

 

Etwas später überreichte mir Alev ein kleines Päckchen, ein Andenken an meinen Aufenthalt in Dersim, das sie zusammen mit ihrer Nachbarin besorgt hatte: ein schönes Hemd und ein Armband. Einmal mehr bestätigte sich die Grosszügigkeit, die ich während meiner ganzen Reise gespürt habe.

 

Dann kam der Moment des Abschieds. Die ganze Familie begleitete mich, zusammen mit Deniz, bis zur Bushaltestelle, die mich zum Flughafen von Elazig bringen sollte. Es war ein sehr emotionaler Moment, Tränen flossen, und erneut spürte ich die Wärme und Herzlichkeit dieser Menschen.

 

Dieses Mal reiste ich am Tag, bei meiner Ankunft war es stockdunkel gewesen, sodass ich nichts gesehen hatte, und konnte nun die Landschaften bis nach Elazig bewundern. Am Flughafen bat ich darum, auf einen Platz bei einem Notausgang umgesetzt zu werden, damit ich mein Bein ausstrecken konnte. Leider sprachen die Mitarbeitenden von Turkish Airlines ausschliesslich Türkisch, und trotz meiner Bemühungen war es unmöglich, diesen Wechsel zu erreichen. Es wurden allerlei Ausreden angeführt: mein angeblich «fortgeschrittenes» Alter, meine körperliche Verfassung, die Tatsache, dass ein bestätigter Sitz nicht mehr geändert werden könne… Für eine Airline, die sich als «Premium» versteht, war ich enttäuscht, dass niemand Englisch sprach, besonders in einer Region, die durchaus von Touristen besucht wird.

 

Dafür stand der Rollstuhl, den ich eigentlich in Istanbul erwartet hatte, angesichts der weiten Distanzen zwischen den Terminals, bereits in Elazig bereit. Nach den Abschiedsworten mit Deniz wurde ich im Rollstuhl durch einen Seiteneingang direkt zum Flugzeug gebracht und konnte meinen Platz einnehmen. Der Abflug erfolgte pünktlich, der gut zweistündige Flug war angenehm. Der Anflug auf Istanbul war atemberaubend: Diese Megalopolis, die sich über zwei Kontinente – Europa und Asien – erstreckt, beeindruckt in ihrer schieren Grösse.

 

Nach der Landung lief alles reibungslos: Ich wurde mit einem Buggy abgeholt, umging die langen Sicherheitskontrollen und passierte die Passkontrolle ohne Wartezeit. Mit fast drei Stunden Aufenthalt vor mir gönnte ich mir einen kleinen Snack, eine Limonade und ein Stück Cheesecake. Doch an der Kasse folgte der Schock: 9 € für eine süsslich-chemische Limonade ohne Geschmack und 10 € für ein Stück Cheesecake! Flughäfen wissen wirklich, wie man Reisende ausnimmt…

 

Das Boarding nach Zürich begann pünktlich. An Bord wurde ein anständiges Essen serviert. In Zürich verlief das Aussteigen, die automatische Passkontrolle und die Gepäckausgabe problemlos. So konnte ich direkt den nächsten Zug nach Bern nehmen, wo ich um 0:30 Uhr ankam, gerade rechtzeitig, um noch das letzte Tram zu erwischen.

 

Ein langer Tag, der mich erschöpft zurückliess…

 

Zusammengefasst: eine unvergessliche Reise! Die Überraschung war perfekt gelungen, nur Alev und ich wussten von meiner Ankunft, doch das, was mir am stärksten in Erinnerung bleibt, ist die Herzlichkeit der Kurden, ihre Grosszügigkeit, Freundlichkeit und grenzenlose Gastfreundschaft.

 

Dersim selbst ist vielleicht nicht unbedingt eine Stadt, die man gesehen haben muss, auch wenn die Ufer des Monsur-Flusses sehr schön sind. Aber die Umgebung (ein Paradies für Motorräder) lohnt sich auf jeden Fall: wilde, trockene und zugleich majestätische Natur, zwei Täler mit klaren, frischen Flüssen. Dazu kommen die Riten der alevitischen Religion, die in einem mehrheitlich muslimischen Land, dessen Regierung eine strenge Linie durchsetzen will, wie ein frischer Wind wirken.

 

Leider ist die Unterdrückung der kurdischen Kultur, auch wenn sie nicht immer auf den ersten Blick sichtbar ist, allgegenwärtig. Für jemanden wie mich, der aus einem Land kommt, in dem vier Kulturen: germanisch, französisch, italienisch und rätoromanisch, nebeneinander existieren, ist diese Situation besonders befremdlich. Denn im Grunde stellt sich die Frage: Wo liegt das Problem? Die Kurden in der Türkei, im Irak, in Syrien und im Iran haben den Traum eines unabhängigen Staates längst aufgegeben. Es wäre so einfach, zusammenzuleben und dabei die Unterschiede und kulturellen Erben gegenseitig zu respektieren.

 


ree


 
 
 

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