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21. September 2025

  • Autorenbild: Philippe Selot
    Philippe Selot
  • 21. Sept.
  • 3 Min. Lesezeit

Einführung für meine ausländischen Freunde:

Die Schweiz ist eine Eidgenossenschaft mit 26 Kantonen und vier Landessprachen: Deutsch (62 %), Französisch (23 %), Italienisch (8 %) und Rätoromanisch (0.5 %). Unter den am meisten gesprochenen Fremdsprachen finden sich insbesondere Englisch, Portugiesisch und Albanisch.

 

Obwohl fast zwei Drittel der Bevölkerung Deutsch sprechen, handelt es sich meist um Schweizer Dialekte. Jede Region hat ihren eigenen Dialekt, der sich stark vom Hochdeutsch unterscheidet. Für jemanden aus Deutschland ist es deshalb oft sehr schwierig, die Leute zu verstehen: Wortschatz, Grammatik und vor allem die Aussprache weichen deutlich vom „richtigen Hochdeutsch“ ab.

 

Im Französischen ist die Situation anders: es gibt vor allem regionale Akzente und ein paar typisch schweizerische Ausdrücke, doch ein Franzose hat im Allgemeinen keine Mühe, das in der Schweiz gesprochene Französisch zu verstehen.

 

Die Schweiz ist ein ausgesprochen demokratisches Land, das seinen Kantonen grosse Unabhängigkeit lässt, besonders im Bereich Lehre und Ausbildung. So hat beispielsweise kürzlich der Kanton Zürich, gefolgt vom Kanton St. Gallen, beschlossen, den Französischunterricht zugunsten von Englisch zu reduzieren, ein Entscheid, der den nationalen Zusammenhalt in Frage stellt.

 

Kommen wir zurück zu Deniz und seiner ersten Studienwoche. Zur Erinnerung: Er war an der Aufnahmeprüfung zur Höheren Fachschule für Pflege gescheitert, hauptsächlich wegen ungenügender Kenntnisse der medizinischen Fachsprache auf Deutsch. Um dieses Studium aufnehmen zu können, ist das Niveau C1 in Deutsch vorgeschrieben. Niemals wurde verlangt, einen Dialekt zu beherrschen. Er bewarb sich deshalb in Olten im Kanton Solothurn, wo er letzten Montag seine Ausbildung begann, mit einer allgemeinen Informationsveranstaltung für alle neuen Studierenden. Diese fand im Solothurner Dialekt statt … unnötig zu erwähnen, er hat nicht alles verstanden.

 

Dasselbe wiederholte sich in der Schule: die Informationen zum Ablauf der Ausbildung, zur Installation der Software und weitere organisatorische Hinweise, alles auf Dialekt. Am Mittwoch begannen endlich die Fachkurse, doch zu seiner grossen Enttäuschung unterrichteten sämtliche Dozenten ebenfalls im Dialekt. Trotz seiner Bitten, Hochdeutsch zu sprechen, wurde weiterhin Mundart verwendet. Eine Situation, die sowohl frustrierend wie auch demütigend war: mehrmals vor der ganzen Klasse darum bitten zu müssen, Hochdeutsch zu sprechen. Nach mehreren Versuchen gab er auf. Deniz war so entmutigt, dass er ernsthaft darüber nachdachte, die Ausbildung abzubrechen, auf die er sich so sehr gefreut hatte.

 

Ich schrieb daraufhin an die Rektorin der Schule. Sie antwortete mir am Freitag und versicherte, dass sie die Lehrkräfte angewiesen habe, künftig Hochdeutsch zu verwenden. Für Deniz eine grosse Erleichterung. Eine Dozentin sagte ihm jedoch, sie beherrsche das Hochdeutsch nicht genügend und werde weiterhin im Dialekt unterrichten. Man wird sehen, ob sie sich den Weisungen der Schulleitung beugt.

 

Ein aufschlussreiches Problem:

Ab der Sekundarstufe werden in der Schweiz die meisten Fächer in Hochdeutsch unterrichtet, und auch in den Berufsschulen ist das üblich. In höheren Fachschulen sollte das selbstverständlich sein, ebenso wie auf Universitätsniveau. Diese Situation zeigt die Vielfalt der Schweiz, aber auch die Schwierigkeiten, die sich aus der kantonalen Eigenständigkeit ergeben. In einer Zeit, in der die Zahl der Studierenden mit Migrationshintergrund stark zunimmt, ist es mehr als erstaunlich, dass solche Missstände noch vorkommen können.

 

Zur Illustration im Bereich Pflege: Die Klasse von Deniz umfasst 21 Lernende, davon haben 18 einen ausländischen Hintergrund. Die meisten von ihnen haben aber ihre Schulzeit in der Schweiz absolviert. Schweizerinnen und Schweizer wollen oder können in diesem Berufsfeld kaum mehr arbeiten, obwohl der Bedarf an qualifiziertem Personal ständig steigt.

 

Hoffen wir, dass die neue Woche etwas ruhiger wird!

 

Letzte Woche hatte ich ein peripheres Angiographie-MRI «Peripheral Angiography MRI». Am Freitag rief mich das Spital an und teilte mir mit, dass ich nochmals kommen müsse, da die bisherigen Daten für das Chirurgenteam nicht ausreichend seien. Am Montag gehe ich deshalb am Nachmittag für eine neue Bilderfassung zurück.

 

Morgen Montag eröffnet in Hannover die weltgrösste Fachmesse für Werkzeugmaschinen, die EMO. Früher habe ich jeweils den Aufbau unseres Messestandes betreut. Dieses Jahr hat mich meine Kollegin aus dem Marketing eingeladen, den neuen Stand zu besuchen, der durch die Integration von GF in die United Grinding Group um 60 % grösser geworden ist: 1'600 m², einer der grössten Stände der ganzen Messe!

 

Mein ehemaliger Arbeitgeber, STUDER, stellt sogar ein Flugzeug für seine Kunden bereit, um den Hin- und Rückflug Zürich–Hannover am selben Tag zu ermöglichen, etwas, das mit Linienflügen nicht machbar ist. Ich werde diesen Flug am Mittwochmorgen nutzen und am Freitag mit dem Zug zurückreisen. Ich freue mich sehr darauf, meine früheren Kolleginnen und Kollegen sowie verschiedene Partner und Lieferanten wiederzusehen, insbesondere jene, die den Stand aufgebaut haben.


ree


 

 
 
 

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