16. Dezember 2025
- Philippe Selot

- 16. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Gestern war ein grosser Tag. Einer von jenen Tagen, die man nicht so schnell vergisst: meine achte Operation am linken Fuss. Es ist immer noch dieselbe Geschichte, die ihren Anfang weit weggenommen hat, bei einem Wanderunfall im marokkanischen Atlas im Mai 2023. Ein Abenteuer, das offenbar lange Kapitel liebt.
Der Tag begann um 8.30 Uhr, als ich meine Wohnung mit dem Taxi verliess, um ins Sonnenhof-Spital zu fahren. Kaum angekommen, wurden die administrativen Formalitäten erledigt und mit typisch schweizerischer Genauigkeit kontrolliert. Anschliessend ging es direkt ins Labor zur Blutentnahme. Danach bezog ich mein Zimmer, ganz am Ende des Korridors gelegen, ein strategisch gut gewählter Ort: ruhig, abgeschieden und ideal zum Nachdenken… oder für ein kurzes Nickerchen.
Offiziell handelt es sich um ein Zweibettzimmer, allerdings mit nur einem Bett und einer kleinen Sitzecke. Dezenter Komfort. Während ich mich einrichte, erfasst eine Pflegefachperson die Aufnahmedaten am Computer. Kaum ist sie damit fertig, werde ich bereits zum Gespräch mit dem Anästhesisten aufgerufen.
Im schweizerischen Gesundheitswesen ist internationale Vielfalt selbstverständlich. Mein Anästhesist, deutscher Herkunft, bildet da keine Ausnahme und es ist auch nicht das erste Mal, denn bereits zum sechsten Mal werde ich von einem Kollegen aus Deutschland betreut. Dieses Mal schlägt er mir jedoch ein leicht angepasstes Vorgehen vor. Üblicherweise dauert eine Spinalanästhesie rund drei Stunden. Bei früheren, längeren Eingriffen wurde ihre Wirkung mittels zusätzlicher Infusionen verlängert. Diesmal entschied er sich für eine Kombination: eine Spinalanästhesie, ergänzt durch eine gezielte Anästhesie des Tibialisnerven, verabreicht hinter dem Knie. Das Resultat: Der gesamte Fuss ist ab dem Knie für rund vierzehn Stunden schmerzfrei. Damit übernimmt diese Anästhesie die Wirkung, sobald die Spinalanästhesie nachlässt und sorgt vor allem für eine ruhige, schmerzfreie Nacht. Ein Versprechen, das man gerne hört.
Kaum ist dieses Gespräch beendet, werde ich in den präoperativen Bereich gebracht. Dort legt eine Pflegefachperson eine Infusion, über die verschiedene Medikamente verabreicht werden. Auf einen zentralen Venenkatheter wird diesmal verzichtet, da keine Antibiotika vorgesehen sind, die die Venen stark reizen. Ich treffe erneut den Anästhesisten, der exakt die zuvor gemeinsam besprochene Vorgehensweise umsetzt.
Aufgrund meiner Skoliose ist die Spinalanästhesie stets eine gewisse Herausforderung. Den richtigen Zugang zu finden, gleicht manchmal einer Geduldsprobe. Auch diesmal braucht es drei Versuche, doch der dritte ist erfolgreich. Die Wirkung setzt beinahe sofort ein: Zuerst eine angenehme Wärme, dann verschwindet das Gefühl. Die Anästhesie des Tibialnerv erfolgt unter Ultraschallkontrolle, um den Nerv exakt zu lokalisieren. Der Eingriff verläuft komplikationslos.
Anschliessend werde ich auf eine mobile Operationstisch-Liege transferiert und in einem sterilen Schleusenbereich mit Wärmedecken eingepackt. Der Operationssaal hat konstant etwa 19 Grad Celsius. Danach geht es in Operationssaal Nummer 1, einen von insgesamt sechs im Spital. Dort werde ich von mehreren vertrauten Gesichtern empfangen. Mit der Zeit kennt man sich.
Auf dem, wie immer schmalen, Operationstisch werde ich sicher fixiert, um unbeabsichtigte Bewegungen zu verhindern. Bein und Leiste werden rasiert und dreimal desinfiziert. Die Leiste ist notwendig, da dort ein Schnitt gesetzt wird, um Knochenmaterial aus dem Beckenknochen zu entnehmen. Dieses wird später für den Wiederaufbau des Sprunggelenks verwendet, oder dessen, was davon übrig ist.
Dann, fast ohne Vorankündigung, schlafe ich um 12.07 Uhr ein, eine gute Stunde früher als geplant. Ich wache im Operationssaal auf, während die letzten Nähte gesetzt und der Verband angelegt werden. Wie immer habe ich keinerlei Erinnerung daran.
Danach werde ich in den Aufwachraum gebracht. Man reicht mir Wasser und Salzbrezeln und bringt mir mein Mobiltelefon. Es ist 18.16 Uhr. Der Eingriff hat also knapp sechs Stunden gedauert.Wenig später kommt das gesamte Operationsteam vorbei und erklärt mir den Verlauf der Operation. Insgesamt ist alles weitgehend wie geplant verlaufen. Um den Fuss korrekt auszurichten und mit dem Bein zu alignieren, musste zunächst das Bindegewebe entfernt werden, was einige Schwierigkeiten mit sich brachte. Eine der Schrauben, welche den Stab fixieren soll, der vom Fersenbein bis in das Schienbein verläuft, konnte nicht optimal platziert werden. Funktionelle Konsequenzen werden jedoch nicht erwartet.
Nach etwa einer Stunde im Aufwachraum werde ich zurück in mein Zimmer gebracht. Dort wartet bereits eine leichte Mahlzeit auf mich: Bündner Trockenfleisch, Käse und Suppe. Nach einem nahezu vollständigen Fastentag ist die Freude entsprechend gross.
Die Müdigkeit übernimmt rasch die Kontrolle, und ich schlafe schmerzfrei ein. Bis um 00.30 Uhr, als mich eine Pflegefachperson für eine Thromboseprophylaxe-Injektion weckt. Gleichzeitig werden die Infusionen gewechselt: Minalgin gegen Schmerzen und ein Antibiotikum. Zusätzlich steht mir eine Schmerzpumpe mit Fentanyl zur Verfügung, die ich bei Bedarf selbst aktivieren kann. Ich nutze sie vor allem wegen der Narbe in der Leiste. Da ich auf der Seite schlafe, ist diese Stelle besonders empfindlich.
Gegen 6.00 Uhr wache ich auf und fühle mich insgesamt gut. Kurz darauf misst die Nachtdienst-Pflegefachperson noch die Vitalwerte, bevor sie ihren Dienst beendet. Um 7.00 Uhr kommen Professor Krause und seine Assistentin vorbei, um sich nach meinem Befinden zu erkundigen. Sie zeigen sich zufrieden und informieren mich, dass ich im Laufe des Vormittags einen Gips erhalten werde.
Gegen 8.00 Uhr wird das Frühstück serviert, genau zur richtigen Zeit und sehr willkommen. Nach einer kurzen Morgentoilette bereite ich mich auf den nächsten Programmpunkt vor: den Gang in das Gipszimmer. Dort treffe ich einen der beiden Spezialisten, die bereits meine vorherigen Gipse angefertigt haben. An diesem Punkt könnten wir beinahe Treuekarten austauschen. Die Gespräche mit ihm sind stets bereichernd. Als adoptiertes Kind aus Peru und passionierter Reisender entdecken wir immer wieder zahlreiche Gemeinsamkeiten.
Anschliessend kehre ich mit einem eleganten schwarzen „Gips“ in mein Zimmer zurück, ein kleines Privileg, denn hier darf man die Farbe selbst wählen. Genau genommen handelt es sich nicht um einen klassischen Gips, sondern um eine abnehmbare Schale aus synthetischem Material. Sie erleichtert die Pflege und die Kontrollen. Praktisch, modern und fast bequem, wenn auch kein Modeaccessoire.
Zum Mittagessen sitze ich gerade am Tisch, als mich meine Mutter anruft. Sie muss mir ein wichtiges und dringendes Dokument bringen, das für den Abschluss des Nachlasses meiner Tante Charlotte benötigt wird, die vor zwei Jahren verstorben ist. Das Dokument muss diese Woche beim Notariat eingereicht werden. Selbst im Spital bleiben gewisse Fristen unerbittlich.
Auch Deniz meldet sich. Er plant, extra aus Olten anzureisen und mich am Abend zu besuchen. Das wäre wirklich nicht notwendig, doch ich bringe es nicht über mich, ihn davon abzuhalten. Manche Gesten werden nicht diskutiert, sie werden geschätzt.
Am Nachmittag wird die Physiotherapeutin für die ersten Gehübungen mit Krücken vorbeikommen. Zudem soll ich erneut einen medizinischen Scooter erhalten, mit dem ich mich fortbewegen kann, ohne den operierten Fuss zu belasten. Eine neue Phase beginnt, geprägt von Vorsicht, Geduld… und assistierter Mobilität.






























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