10. Juni 2025
- Philippe Selot

- 10. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. Aug.
Letzte Woche habe ich meinen Geburtstag mit einem Ausflug ins Freilichtmuseum Ballenberg gefeiert (https://ballenberg.ch/de/). Das letzte Mal, dass ich dort war, ist mehr als 50 Jahre her, damals mit unseren Nachbarn. Dieses Museum ist einzigartig: Es versammelt historische und kulturell bedeutende Gebäude aus der ganzen Schweiz, die vor Ort originalgetreu wieder aufgebaut sind, inklusive Möbel und Gegenständen aus der jeweiligen Epoche. In einigen Häusern arbeiten sogar noch Handwerker, die alte, heute teils vergessene Berufe ausüben. Jede Schweizer Region ist vertreten.
Ich war mit Deniz dort, dem ehemaligen kurdischen Flüchtling, in der Hoffnung, dass ihn dieser lebendige Einblick in die Geschichte der Schweiz interessieren würde. Ehrlich gesagt wusste ich nicht, wie viel ich gehen könnte, weshalb es beruhigend war, einen Begleiter dabei zu haben.
Wir kamen gegen 11 Uhr in Brienz an, bei idealem Wetter: leicht bewölkt, kein Regen und angenehme Temperaturen. Unter der Woche war das Museum nur schwach besucht, was den Besuch noch angenehmer machte. Schade, dass der Andrang zurückgeht, denn man könnte mehrmals kommen und immer Neues entdecken. Seit meinem letzten Besuch ist das Gelände deutlich gewachsen. Alles an einem Tag zu sehen, ohne zu hetzen, ist praktisch unmöglich, und es wäre schade, da man viele spannende Details verpassen würde.
Zum Beispiel gab es ein Gebäude mit einer Wurst Räucherei, wo man Produkte kaufen konnte; ein anderes beherbergte einen über 200 Jahre alten Backofen, in dem ein Bäcker handgemachtes Brot backte. Im Gemüsegarten einer Bauernhofanlage wuchsen vergessene oder sehr regionale Sorten wie der Genfer Kardon, ein echter Genuss! Ein Gehege war Heimat von Wollschweinen, die perfekt für die kalten Alpen geeignet sind. In einem alpinen Haus wurde Käse hergestellt, den wir probieren und natürlich auch kaufen konnten.
Ein Gebäude hat mich besonders berührt: Es stammte aus Blatten, einem Bergdorf, das vor kurzem von einer Schlammlawine und Eissturz zerstört wurde und weltweit Schlagzeilen in den Medien machte. Es ist das einzige überlebende Haus des Dorfes. Drinnen spann eine Frau an einem alten Webstuhl, und die Atmosphäre war wie aus einer anderen Zeit. In einem anderen Haus gab es eine Getreidemühle, und in einem schmalen, langen Gebäude stellte man noch Leinenkordeln her, zum Beispiel für Netze, mit denen Heu in den Alpen transportiert wurde.
Man entdeckt viele heute fast vergessene Berufe. Die meisten Häuser sind von einer Person belebt, die die Techniken, den historischen Kontext oder die ausgestellten Gegenstände erklärt. Für den nächsten Besuch denke ich, wäre eine Führung mit spannenden Anekdoten und weiteren Details noch interessanter.
Ein weiteres faszinierendes Element ist der Vergleich zwischen den oft grösseren, prunkvolleren Häusern in den Flachlandregionen und den einfachen, fast ärmlichen Hütten in den Bergen, wo die rauen Lebensbedingungen sofort ins Auge springen.
Als Vorspeise genossen wir eine hervorragende Linsensuppe mit Gemüse aus dem Garten, zubereitet auf einem Holzofen in einem Bauernhaus. Später assen wir in einem historischen Restaurant auf dem Gelände typische Schweizer Gerichte: Rösti, Bratwurst mit Zwiebelsauce, Zürcher Geschnetzeltes und die berühmten Bergmaccheroni mit lokalem Käse.
Es war ein wunderbarer Tag voller Kultur, Traditionen und auch Emotionen. Vor allem konnte ich fast sieben Kilometer schmerzfrei laufen, mit einigen willkommenen Pausen, sehr ermutigend!
Auch Deniz war begeistert und möchte unbedingt wiederkommen. Dieser Besuch gibt einen eindrücklichen, konzentrierten Einblick in die Kultur, Traditionen und Lebensweise früherer Zeiten. Ich kann ihn wärmstens empfehlen.
Schliesslich scheint meine angepasste Orthese wirklich besser zu funktionieren. Am nächsten Freitag hole ich einen neuen, etwas weniger steifen Schuh ab, der mir hoffentlich ein natürlicheres Abrollen ermöglicht.


























































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