06. Januar 2026
- Philippe Selot

- 6. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Am ersten Tag des Jahres 2026 erwachte die Schweiz mit einer Nachricht von aussergewöhnlicher Tragweite. Ein Brand in einer Bar in Crans-Montana forderte das Leben von 40 jungen Menschen, weitere 190 wurden schwer verletzt, vor allem durch Verbrennungen. Nach ersten Erkenntnissen sollen Bengalfeuer, die an Champagnerflaschen befestigt waren, die Decke des Lokals in Brand gesetzt haben. Innerhalb weniger Augenblicke verwandelte sich ein festlicher Abend in ein nationales Drama.
Die Schweiz trauert, ebenso wie die Nachbarländer, aus denen mehrere Opfer stammten. Der 9. Januar wurde zum nationalen Trauertag erklärt, eine seltene Entscheidung in unserem Land, die das Ausmass der Erschütterung und der Trauer über diese Tragödie deutlich unterstreicht.
In einem ganz anderen, aber persönlich ebenso prägenden Zusammenhang begann der Montag um 10.00 Uhr mit einer Taxifahrt ins Sonnenhof-Spital. Nach meiner Ankunft folgten die Aufnahmeformalitäten reibungslos, bevor man mich in mein Zimmer, Nummer 244, begleitete. Ein weiteres Zimmer in meiner persönlichen Spitalgeschichte – das neunte, um genau zu sein.
Der Eingriff war ursprünglich für Mittag geplant. Mehrere Notfälle infolge von Skiunfällen hatten jedoch Vorrang, sodass meine Operation auf 15.00 Uhr verschoben wurde. Um 13.30 Uhr traf ich die Anästhesistin, Dr. med. Frederike Serman, die ich bereits kannte. Bei einer früheren Operation hatte sie mir einen zentralvenösen Katheter gelegt. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ihr humorvoller Kommentar, sie «möge es zu stechen», eine überraschende, aber durchaus prägende Bemerkung für eine Anästhesistin.
Ich schilderte ihr die Schwierigkeiten der vorangegangenen Woche, nachdem mehrere Versuche zur Anlage einer Infusion erfolglos geblieben waren. Zurück in meinem Zimmer bereitete ich mich ruhig vor, legte Uhr und persönliche Gegenstände ab, bevor ich in den Präoperationsbereich gebracht wurde. Um frühere Komplikationen zu vermeiden, wurde die Infusion dieses Mal mithilfe eines Ultraschallgeräts gelegt.
Zunächst schien alles einwandfrei zu funktionieren, bis sich ein Schmerz in meinem Arm bemerkbar machte. Die Anästhesiepflege stellte rasch fest, dass die Infusion erneut nicht korrekt lief. Zurück auf Anfang. Das Ultraschallgerät kam erneut zum Einsatz, eine neue Infusion wurde gelegt, dieses Mal mit Erfolg. Anschliessend wurde auch die Spinalanästhesie gesetzt.
Gegen 15.00 Uhr wurde ich in den Operationssaal gebracht. Eine weitere Anästhesiepflege übernahm, fragte mich, ob ich bereit sei, und kaum hatte ich dies bestätigt, befand ich mich bereits in den Armen von Morpheus.
Ich erwachte gegen 18.30 Uhr. Man brachte mich vom Operationstisch in mein Bett und anschliessend in den Aufwachraum. Dort erhielt ich Wasser und Brezeln, in diesem Moment ein sehr geschätzter Luxus. Der Chirurg informierte mich, dass der Eingriff länger gedauert habe als geplant, jedoch ohne Komplikationen verlaufen sei.
Gegen 20.00 Uhr kehrte ich in mein Zimmer zurück, wo eine kleine Mahlzeit auf mich wartete. Um Mitternacht wurde mir eine Injektion Clexane, ein Antikoagulans, verabreicht. Kurz darauf schlief ich ein und verbrachte eine insgesamt ruhige Nacht, lediglich unterbrochen durch die notwendigen Besuche einer Pflegefachperson zum Wechsel der Antibiotikainfusionen.
Heute Morgen wachte ich gegen 6.30 Uhr erholt auf. Heisser Tee und die Zeitung wurden mir gebracht, um 8.00 Uhr folgte das Frühstück. Nach der Morgentoilette wechselte ein Internist den Verband. Mit jedem Eingriff wird die Narbe grösser, ein Detail, das Respekt einflösst, doch sie zeigt keine Entzündungszeichen, und der Heilungsverlauf wird als positiv beurteilt.
Die Anweisung ist klar und wird mit Nachdruck wiederholt: den Fuss nicht belasten, das Bein nicht beanspruchen. Eine Disziplin, die entscheidend ist, um eine schnelle und komplikationslose Heilung zu gewährleisten. Eine einfache Regel, die im Alltag jedoch grosse Konsequenz erfordert.
Heute Abend hatte ich Besuch von Dr. Huber, dem Chirurgen, der mich operiert hat. Es war ein Moment, der zugleich medizinisch und menschlich war – genau jene Art von Begegnung, die man nach einem solchen Eingriff besonders schätzt. Zunächst wechselte er den Verband und nahm sich anschliessend die Zeit, mir in verständlicher und didaktischer Weise zu erklären, was während der Operation genau durchgeführt wurde. Zur Veranschaulichung übergab er mir zwei Röntgenaufnahmen, die am Ende des Eingriffs gemacht worden waren. Auf diesen Bildern ist deutlich die entlang des Schienbeins positionierte Platte zu erkennen, die mit mehreren Schrauben stabil fixiert ist. Zusätzlich umschliessen Cerclagen den Knochen, um eine optimale Stabilität des Beins zu gewährleisten. Eine echte orthopädische Ingenieursleistung – fast vergleichbar mit einer hochpräzisen industriellen Montage, mit dem kleinen Unterschied, dass sie sich nun in meinem Inneren befindet.
Das Ziel ist klar: dem Bein die notwendige Stabilität für eine nachhaltige Heilung zu geben und langfristig eine zuverlässige Mobilität zu ermöglichen. Diese Bilder zu sehen und konkret zu verstehen, was gemacht wurde, macht den gesamten Prozess greifbarer und stärkt das Vertrauen in die menschliche Mechanik, wenn sie in den richtigen Händen liegt.










Hallo Philippe
Wie geht es dir? Bist du daheim?
LG Erika und Res