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23. Dezember 2025

  • Autorenbild: Philippe Selot
    Philippe Selot
  • 23. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Am Montagmorgen begann die Woche mit einem inzwischen vertrauten Ritual: dem Besuch von Professor Krause. Wie gewohnt erschien er ruhig und präzise, untersuchte sorgfältig die Narbe, die sich weiterhin etwas widerspenstig zeigt, und wechselte anschliessend den Verband. Die Einschätzung war eindeutig: Die Wunde heilt noch nicht wie erwartet. Nichts Beunruhigendes, aber doch launisch genug, um eine regelmässige Kontrolle zu rechtfertigen.

 

Trotzdem gab es an diesem Tag eine erfreuliche Entscheidung: Er erklärte mich für entlassungsfähig. Die Rückkehr nach Hause war somit bereits am Montagnachmittag möglich. Ein kleiner Erfolg, allerdings verbunden mit klar definierten Bedingungen. Mit einer hartnäckigen Narbe versteht man keinen Spass.

 

Der SPITEX -Dienst, die medizinische Betreuung zu Hause, wird nun zweimal täglich vorbeikommen. Morgens zur Kontrolle der Wunde und zum Verbandswechsel, abends erneut, inklusive der Injektion von Clexane, einem Antikoagulans zur Thromboseprophylaxe. Eine Aufgabe, die ich gerne Fachpersonen überlasse, Selbstinjektionen gehören definitiv nicht zu meinen neuen Freizeitbeschäftigungen. Bei jedem Besuch werden zudem Fotos gemacht, damit Professor Krause den Heilungsverlauf aus der Ferne verfolgen kann.

 

Nach dem grünen Licht begann ich, meine Tasche zu packen, bevor ich in den Gipsraum gebracht wurde, wo ein neuer Gips angelegt wurde. In der Zwischenzeit brachte mir eine Pflegefachperson die Austrittsunterlagen: den ausführlichen medizinischen Bericht meines Aufenthalts sowie die Rezepte für eine beachtliche Auswahl an Medikamenten. Zusätzlich erhielt ich ein Schreiben für die Versicherung, damit die Taxifahrten übernommen werden, meine Fähigkeiten als Autofahrer müssen sich noch etwas gedulden.

 

Nach dem Mittagessen im Spital, gegen 13 Uhr, wurde ich von Urs, dem Nachbarn meiner Mutter, abgeholt. Ich verabschiedete mich vom Pflegepersonal, das mich wie immer aufmerksam und sehr fürsorglich betreut hatte. Auf dem Heimweg legten wir einen kurzen Halt in der Apotheke ein, um Medikamente und Verbandsmaterial abzuholen. Anschliessend kam ich endlich zu Hause an, inklusive der Post, die sich während meiner Abwesenheit angesammelt hatte.

 

Nachdem die Tasche ausgepackt war, ruhte ich mich aus und wartete auf den abendlichen Besuch der SPITEX für die Injektion und die Kontrolle des Verbandes. Die Mitarbeiterin kannte das Spital, in dem ich die letzte Woche verbracht hatte, sehr gut: Sie hatte dort viele Jahre gearbeitet und kannte daher die meisten Ärzte, die mich in den vergangenen Tagen betreut hatten. Die medizinische Welt ist manchmal erstaunlich klein.

 

Zu diesem Zeitpunkt eine gute Nachricht: Die Wunde war weniger gereizt und nässte deutlich weniger als zuvor, ein klares Zeichen in die richtige Richtung. Nach der Einnahme meiner Medikamente, die sich leicht von jenen im Spital unterschieden, ging ich zu Bett. Eines der Schmerzmittel erwies sich als besonders wirksam: Ich schlief rasch ein und tief durch, fast so, als hätten meine Schmerzen für die Nacht einen Waffenstillstand geschlossen.

 

Heute Morgen verlief der Start in den Tag ruhig. Kaffee, Medikamente, dann das Warten auf die SPITEX. Gegen 9.30 Uhr kontrollierten eine Mitarbeiterin und ein Kollege in Ausbildung die Narbe. Dieses Mal hatte sie wieder stärker zu nässen begonnen. Die Fotos wurden gemacht, der Verband gewechselt. Am Abend wird zusätzlich eine Wundspezialistin zu einer vertieften Beurteilung vorbeikommen.

 

Anschliessend verfasste ich eine E-Mail an Professor Krause mit den gewünschten Fotos. Danach legte ich mich nochmals hin, mit einem klaren Ziel für den weiteren Tagesverlauf: eine Dusche, später. Alles zu seiner Zeit.

 

Gegen 20 Uhr markiert der Besuch der SPITEX ein neues Kapitel des Tages. Verbandwechsel, prophylaktische Injektion gegen Thrombose, das Ritual ist inzwischen gut eingespielt. Dieses Mal wird die Intervention von einer auf Wundversorgung spezialisierten Pflegefachperson durchgeführt. Ihr Urteil ist klar und direkt: Die Entwicklung der Narbe ist nicht zufriedenstellend. Aufgrund ihrer klinischen Einschätzung ist eine Infektion sehr wahrscheinlich, und eine Spülung der Wunde sollte in Betracht gezogen werden.

 

Vorerst entscheidet sie sich für eine konservative Massnahme: die Anwendung eines silberhaltigen Verbandes. Eine therapeutisch durchaus seriöse Wahl und angesichts der stetig steigenden Silberpreise denke ich fast darüber nach, den Verband nach Gebrauch aufzubewahren. Auch wenn er nicht glänzt, hofft man vor allem, dass seine antiseptischen Eigenschaften ihre volle Wirkung entfalten.

 

Morgen früh, nach dem nächsten Besuch der SPITEX und der Anfertigung neuer Fotos der Narbe, werden sämtliche Aufnahmen an Professor Krause übermittelt. So kann er die Situation beurteilen und über die nächsten Schritte entscheiden.

 



 
 
 

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