21. Dezember 2025
- Philippe Selot

- 21. Dez. 2025
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Es ist Sonntag, und wenn ich gestern nichts veröffentlicht habe, dann ganz einfach deshalb, weil es nichts wirklich Berichtenswertes gab. Ein Ereignis für sich: In einem Spital ist die Abwesenheit von Zwischenfällen ja fast schon eine gute Nachricht.
Am Freitagabend bekam ich ein neues, deutlich stärkeres Schmerzmittel, kombiniert mit einem Schlafmittel. Die Wirkung liess nicht lange auf sich warten: Am Samstagmorgen bin ich zum ersten Mal seit meinem Spitalaufenthalt wirklich erholt aufgewacht. Ich habe geschlafen wie ein Murmeltier ohne Schmerzen, ohne Unterbrechungen und vor allem ohne die Fentanyl-Pumpe zu vermissen.
Nach dem Frühstück schaute Professor Krause vorbei, in Zivilkleidung. Er war auf dem Weg zum Einkaufen und da das Spital auf seiner Route liegt, nutzte er die Gelegenheit, um meine Narben zu kontrollieren. Die am Fersenbein, wo der Nagel eingeführt worden war, sowie jene der Schrauben an Knöchel und Schienbein, verheilen sehr gut. Die lange Narbe vom Fuss bis zum Bein bereitet hingegen mehr Schwierigkeiten: Sie bleibt exsudativ, der Verband ist ständig nass und die Haut dauernd feucht, was die Heilung erschwert. Er ordnete deshalb an, den Verband zweimal täglich zu wechseln.
Am Nachmittag kam Deniz auf einen Kaffee vorbei, bevor er in meine Wohnung zurückging, wo er dieses Wochenende übernachtet. Eine freundliche Präsenz tut immer gut, besonders wenn man beginnt, jedem Ecken des Spitals auswendig zu kennen. Am Abend erhielt ich die gleiche Medikation wie am Vortag, was mir eine zweite erholsame Nacht garantierte. Und wie verordnet wurde der Verband erneuert.
Heute Morgen, Sonntag, wachte ich um 7 Uhr auf, als die Pflegefachfrau meine Vitalzeichen messen kam. Wenige Minuten später brachte man mir eine Kanne heissen Tee, das beste Morgenritual auf dieser Etage, gefolgt vom Frühstück um 8 Uhr. Später kam die diensthabende Ärztin vorbei. Sagen wir einfach, Empathie und Höflichkeit standen heute nicht auf ihrer Agenda. Vielleicht lag es daran, dass sie an einem Sonntag arbeiten musste, wer weiss? Sie wechselte den Verband schnell, fast mechanisch. Als ich sie fragte, warum ich angesichts meiner Vorgeschichte mit Staphylokokken-Infektionen keine Antibiotika erhalte, war ihre Antwort eher überraschend: «Alle wollen immer Antibiotika…». Nicht gerade der professionellste Kommentar meiner Woche. Ich hakte nicht nach. Sie meinte lediglich, dass ich am Montag wohl nicht nach Hause könne, falls die Narbe nicht trocken sei, genau das, was ich nicht hatte hören wollen.
Und hier beginnt die eigentliche Herausforderung: die Logistik. Urs, der Nachbar meiner Mutter, der sich freundlicherweise bereit erklärt hat, mich nach Hause zu begleiten, fährt am Dienstagmorgen in die Weihnachtsferien. Wenn ich morgen nicht entlassen werde, stehe ich mit meinem Koffer, meinen Krücken… und keiner freien Hand da, um meine Wohnungstür zu öffnen. Und darauf zu hoffen, dass ein Taxifahrer mein Gepäck bis in den Aufzug trägt, wäre wohl etwas zu optimistisch. Ich werde sicher eine Alternative finden, aber es wäre trotzdem angenehm, wenn diese Geschichte morgen die einfachste Wendung nimmt.
Am Freitag erhielt eine enge Freundin die Ergebnisse der Tomographie, die sie letzte Woche aufgrund von Blut im Urin machen musste. Die Diagnose ist beruhigend: Es wurde nichts Auffälliges festgestellt, was eine echte Erleichterung ist.




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