17- Dezember 2025
- Philippe Selot

- 17. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Die zweite Nacht ist vorbei, und ich habe endlich fast vorbildlich geschlafen, vor allem, weil keine nennenswerten Schmerzen die Nachtruhe gestört haben und ich mitten in der Nacht keine Thrombosespritze bekommen habe!
Gestern Abend kam Deniz nach der Arbeit vorbei. Trotz meinen sehr klaren Anweisungen, nichts mitzubringen, erschien er beladen wie für ein spontanes Picknick: Mandarinen, Pistazien, ein Mandel-Smoothie, Chips und sogar ein Blumenstrauss. In diesem Moment habe ich verstanden: „mit leeren Händen erscheinen“ gibt es in der kurdischen Kultur schlicht nicht. Wir verbrachten den Abend im Lounge-Bereich des Spitals, bevor er sich gegen 21.30 Uhr wieder auf den Weg nach Olten machte.
Den ganzen Tag über habe ich viele Nachrichten von meiner Familie und Freunden erhalten, die wissen wollten, wie es mir geht. Es ist sehr beruhigend zu spüren, dass man nicht allein ist, besonders in einer solchen Situation.
Ich habe auch einen kleinen Fortschritt gemacht: Ich habe meine Mahlzeiten am Tisch eingenommen und nicht mehr im Bett. Ein scheinbar kleines Detail, das aber viel ausmacht.
Und früh am Morgen, noch bevor das Frühstück serviert wurde, kam Professor Krause zusammen mit einer Assistenzärztin vorbei, um einen leicht verbluteten Verband zu wechseln. Er ist zufrieden mit dem Verlauf und hat mir sogar mitgeteilt, dass ich am Freitag nach Hause könnte. Einerseits ist das eine ausgezeichnete Nachricht. Andererseits… der Gedanke, so schnell allein zu Hause zu sein, macht mich nicht ganz ruhig. Bis Montag zu warten, würde mir etwas mehr Sicherheit für die ersten Schritte daheim geben. Mal schauen…
Heute Morgen wurde mir die Fentanyl-Pumpe entfernt. Die Schmerzen an der Narbe am Becken hingegen bleiben hartnäckig und zeigen wenig Bereitschaft, sich zu beruhigen. Die linke Seite ist entzünden, und jede Bewegung, die die Bauchmuskeln beansprucht, sich drehen, aufstehen, wird zur Herausforderung. Eine Pflegefachperson hat mir ein Kältepack gegeben: in der Theorie wirksam, in der Praxis deutlich weniger angenehm und bisher ohne wirkliche Wirkung.
Ich habe auch nachgefragt wegen der Antibiotika. Ausser in der ersten Nacht habe ich keine mehr bekommen. Die Sorge vor einem neuen Staphylokokken-Problem war etwas da, aber Professor Krause hat mich beruhigt: Während der Operation gab es keinerlei Anzeichen einer Infektion, die Knochen in der Fussregion sind sauber, und die Biopsien waren negativ. Ich drücke die Daumen.
Eine gute Nachricht: Ich konnte endlich duschen, jetzt wo die Infusionen entfernt sind und ich nicht mehr von allen Seiten „verkabelt“ bin. Es tut unglaublich gut, auch wenn meine eingeschränkte Mobilität mich noch vorsichtig sein lässt. Das Ziel bleibt klar: Die Genesung darf durch nichts gefährdet werden.
Und wie jeden Morgen kam die sehr freundliche Dame aus dem Hotellerie-Service vorbei, um meine Mahlzeiten für den nächsten Tag aufzunehmen. Die Qualität der Speisen ist ausgezeichnet, der Service aufmerksam, und ich bekomme immer passende Empfehlungen.
Am Ende gilt: Auch im Spital kann Genuss durch den Magen gehen. Und darauf verzichte ich sicher nicht.
Heute hat mein Tag eine überraschend angenehme Wendung genommen. Ich habe Besuch von zwei Kollegen erhalten, deren Leidenschaften viel über ihren Sinn für Stil verraten: der eine ist Motorradfahrer, der andere Sammler von alten Autos.
Um diese sympathische Pause abzurunden, haben Truffes aus dem Hause Tschirren – dem bekannten Berner Chocolatier – die nötige Süssigkeit beigesteuert, um einen einfachen Besuch in einen echten Moment der Erholung zu verwandeln.
Die Unterlagen des Notars betreffend dem Erbe enthielten einen Fehler und werden morgen erneut versendet. Meine Mutter wird deshalb morgen Nachmittag bei mir vorbeikommen, um mir die korrigierte Version zu bringen, die ich unterschreiben muss, bevor ich sie an das Notariat zurückschicke. Ein administrativer Prozess, der sich zwar langsam, aber doch sicher voranbewegt, immerhin hat das Ganze zwei Jahre gedauert!
Zum Abschluss des Tages gab es eine Bouillon und ein ausgezeichnetes Steak Tartar.












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