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18. Oktober 2026

Autorenbild: Philippe Selot
Philippe Selot
vor 7 Stunden
5 Min. Lesezeit

Vor knapp fünf Wochen hatte ich einen weiteren Kontrolltermin bei meinem Chirurgen. Er hatte im vergangenen Dezember die grosse Operation durchgeführt, bei der unter anderem ein Arthrodesenagel eingesetzt wurde, um mein Sprunggelenk und das Schienbein zu stabilisieren. Wie bei jeder Kontrolle wurden auch diesmal neue Röntgenaufnahmen gemacht.

 

Vor drei Wochen erhielt ich einen Anruf von meinem früheren Chirurgen, der mich bereits vor dieser letzten Operation betreut hatte. Er äusserte gewisse Bedenken hinsichtlich der Knochenheilung meines Schienbeins und der aktuellen Stellung meines Beins. Offenbar entwickeln sich die Dinge nicht ganz so zufriedenstellend, wie er es sich erhofft hatte.

 

Aus meiner Sicht sieht die Situation allerdings recht erfreulich aus. Ich habe praktisch keine mechanischen Schmerzen mehr. Lediglich einige neuropathische Schmerzen sind geblieben, die ich glücklicherweise mit Pregabalin gut unter Kontrolle halten kann. Vor allem aber geniesse ich meine wiedergewonnene Bewegungsfreiheit nach mehr als drei Jahren mit Gipsverbänden, Orthesen und Krücken in vollen Zügen. Einfach ein Paar Schuhe anziehen und spazieren gehen zu können, ist für mich zu einem Vergnügen geworden, das ich früher wohl kaum so sehr geschätzt hätte!

 

Natürlich bedeutet Schmerzfreiheit nicht automatisch, dass auch mit den Knochen alles in Ordnung ist. Mein Chirurg möchte deshalb sicherstellen, dass die Fraktur richtig verheilt und vor allem keine Komplikationen entstehen, die sich erst später bemerkbar machen könnten.

 

Er hat mir deshalb vorgeschlagen, eine Zweitmeinung bei Prof. Markus Knupp von der Klinik «Mein Fuss» in Basel einzuholen. Dieser Spezialist kennt meine Krankengeschichte bereits gut, da er an der Planung des chirurgischen Vorgehens für die Operation im vergangenen Dezember beteiligt war.

 

In der Schweiz können solche Vorhaben allerdings manchmal aus administrativen Gründen etwas kompliziert werden. Die Konsultation eines Spezialisten in einem anderen Kanton, der zudem nicht zum gewohnten Ärztenetz gehört, kann bei den Krankenkassen gewisse Fragen aufwerfen. Unser Gesundheitssystem ist zwar ausgezeichnet, aber manchmal scheint es fast genauso an den Kantonsgrenzen zu hängen wie gewisse Schweizer an ihrem eigenen Kirchturm!

 

Glücklicherweise hat mir meine Krankenkasse bestätigt, dass einer Konsultation in Basel nichts im Wege steht. Voraussetzung ist lediglich, dass mein Hausarzt eine entsprechende Überweisung an Prof. Knupp ausstellt. Diese findet Ende November statt.

 

Mein Hausarzt hat kürzlich Kontakt mit mediX aufgenommen, einem Ärztenetzwerk, das sich unter anderem mit der Qualität der medizinischen Versorgung und der Verbesserung der Behandlungsstandards befasst. Im Anschluss daran hat sich eine Ärztin dieses Netzwerks persönlich bei mir gemeldet und mir die zuständige Ansprechpartnerin für Haftpflichtfragen und Beschwerden der Spitalgruppe genannt, in der ich in den vergangenen Jahren behandelt wurde.

 

Das Ziel dieser Initiative ist vor allem konstruktiver Natur: Es geht darum, bestimmte Komplikationen, die während meiner Behandlung aufgetreten sind, genauer zu untersuchen und mögliche Verbesserungen der Behandlungsqualität zu prüfen. Dazu gehören insbesondere die Wundheilungsprobleme nach meinen letzten Operationen sowie der Bruch des Schienbeins, der im Verlauf meiner chirurgischen Behandlung aufgetreten ist. Beide Komplikationen haben meinen Genesungsprozess erheblich verlängert.

 

Ein weiterer Punkt betrifft die Kosten für die Pflege und Betreuung zu Hause, die ich selbst tragen musste, da meine Krankenkasse diese nicht übernommen hat. Ich möchte deshalb klären, inwieweit eine Beteiligung an diesen Kosten in Betracht gezogen werden könnte.

 

Schliesslich möchte ich auch einen menschlichen, aber ebenso wichtigen Aspekt ansprechen: den Mangel an Empathie und Kommunikation, den ich seitens des medizinischen Teams empfunden habe, das mich während der Operationen im Dezember 2025 und Januar 2026 betreut hat. Wenn ein Patient eine derart lange und schwierige Zeit durchmacht, sind menschliche Zuwendung, Verständnis und eine offene Kommunikation genauso wichtig wie die medizinische Fachkompetenz.

 

Ich möchte ausdrücklich betonen, dass es mir nicht darum geht, die gesamte medizinische Betreuung, die ich erhalten habe, infrage zu stellen. Ich habe auch hervorragende medizinische Fachpersonen kennengelernt, an die ich mich mit grosser Dankbarkeit erinnere. Dennoch gibt es bestimmte Situationen, die ernsthaft und transparent aufgearbeitet werden sollten, damit daraus Lehren gezogen und, wo nötig, Verbesserungen vorgenommen werden können.

 

Nun warte ich darauf, dass ein Gesprächstermin mit der zuständigen Verantwortlichen vereinbart wird, um diese verschiedenen Punkte in einer offenen und konstruktiven Atmosphäre besprechen zu können.

 

Zum Glück besteht das Leben nicht nur aus Arztterminen und Röntgenaufnahmen. Ich hatte auch das Vergnügen, zwei australische Freundinnen wiederzusehen, die gerade auf Besuch in der Schweiz waren. Die beiden sind langjährige Freundinnen meines Kollegen Edi, der in Perth in Australien lebt. Ich hatte sie während meiner früheren Reisen in dieses wunderschöne Land kennengelernt.

 

Wir genossen gemeinsam einen Apéro auf einer gemütlichen Terrasse mitten in der Berner Altstadt. In dieser angenehmen Atmosphäre kamen wir natürlich bald auf Australien zu sprechen, tauschten Reiseerinnerungen aus und erinnerten uns an die vielen schönen Momente, die wir dort erlebt hatten.

 

Dieses Wiedersehen hat in mir einen Wunsch geweckt, der eigentlich nie ganz verschwunden ist: eines Tages wieder nach Australien zu reisen. Dieses Land hat mich mit seinen atemberaubenden Landschaften, seiner grenzenlosen Weite, seiner Vielfalt und der Herzlichkeit seiner Menschen nachhaltig beeindruckt.

 

Australien hat einfach einen ganz besonderen Charme. Wer einmal dort gewesen ist, träumt fast zwangsläufig davon, irgendwann zurückzukehren! Der einzige kleine Haken an der Sache ist, dass Australien praktisch am anderen Ende der Welt liegt. Aber ein paar Stunden im Flugzeug sollten einen begeisterten Reisenden schliesslich nicht davon abhalten, seine Träume zu verwirklichen!

 

Ich hatte auch das Vergnügen, mit drei Freunden essen zu gehen, die seit meiner Jugend zu meinen treuesten Wegbegleitern gehören. Unsere Freundschaft besteht also schon seit vielen Jahrzehnten, und entsprechend beeindruckend ist die Menge an gemeinsamen Erinnerungen, die sich im Laufe der Jahre angesammelt hat.

 

Zwei von ihnen verbringen mittlerweile ungefähr die Hälfte des Jahres in Spanien, wo sie ihren Ruhestand und die Sonne in vollen Zügen geniessen. Wenn sie in der Schweiz sind, treffen wir uns ziemlich regelmässig. Mit dem dritten Freund ergeben sich solche Gelegenheiten etwas seltener, was unsere Begegnungen aber nicht weniger wertvoll macht.

 

Es war ein besonders schöner Abend mit vielen Anekdoten, Erinnerungen an unsere Jugend und herzhaftem Gelächter. Einige Geschichten aus unserer Vergangenheit haben die Zeit offensichtlich besser überstanden als unser Gedächtnis! Und es ist immer wieder amüsant festzustellen, dass wir uns nicht unbedingt alle an dieselben Ereignisse erinnern.

 

Solche Momente der Vertrautheit tun unglaublich gut. Sie erinnern uns daran, dass manche Freundschaften trotz der vergangenen Jahre und der unterschiedlichen Lebenswege unverändert bestehen bleiben. Das ist ein echtes Privileg.

 

Deniz setzt unterdessen seine Ausbildung zum diplomierten Pflegefachmann HF mit grosser Begeisterung fort. Zurzeit arbeitet er in der psychiatrischen Notfall- und Krisenambulanz sowie in den Bereichen Krisenintervention und psychosomatische Betreuung. Es ist ein besonders anspruchsvolles Arbeitsumfeld, in dem sich Situationen rasch verändern können und menschliche Fähigkeiten genauso wichtig sind wie medizinisches Fachwissen. Man muss zuhören, beobachten, beruhigen und manchmal auch emotional schwierige Situationen entschärfen können.

 

Deniz gefällt diese Arbeit ausserordentlich gut. Gerade in diesem Bereich kann er eine seiner grössten Stärken besonders gut einsetzen: seine natürliche Empathie. Er besitzt die wertvolle Fähigkeit, sich aufrichtig für andere Menschen zu interessieren, ihnen ohne Vorurteile zuzuhören und eine Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen.

 

Es freut mich besonders, zu sehen, wie er sich in einem Bereich weiterentwickelt, in dem seine persönlichen Qualitäten voll zur Geltung kommen. Die Psychiatrie verlangt viel Geduld, Einfühlungsvermögen und ein gutes Urteilsvermögen. Auch wenn die Ausbildung weiterhin anspruchsvoll bleibt, scheint er ein Umfeld gefunden zu haben, in dem er sich wirklich entfalten kann, bevor Mitte November wieder der theoretische Unterricht beginnt.

 

Alles in allem war in den vergangenen Wochen einiges los. Zwischen medizinischen Unsicherheiten, dem Wiedersehen mit alten Freunden und den Fortschritten von Deniz wurde es jedenfalls nicht langweilig.

 

Was mich betrifft, so gehe ich weiterhin meinen Weg, und das mittlerweile sogar wieder im wahrsten Sinne des Wortes. Ich hoffe nur, dass mein Bein diesmal bereit ist, mitzuhalten, ohne gleich wieder ein neues Kapitel zu seiner ohnehin schon umfangreichen Krankengeschichte hinzufügen zu wollen!


 



 
 
 

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